Mittwoch, 25. März 2009

Die Wahrheit über die alten Fugger? "Geldgeile Verbrecher" oder warmherzige Wohltäter? Teil I


Bild: Augsburgs Zünfte wollten im Stadtrat auch ein Wörtchen mitreden.

Ankunft des ersten Fugger in Augsburg - Beginn einer dubiosen Karriere?

Lesen Sie die wahren Hintergründe eines Aufstiegs ohne Skrupel!
Zuerst hießen die Fugger eigentlich Fucker - wer Englisch kann, weiß was damit gemeint ist...


- Es sind natürlich Ammenmärchen und Lügen, wenn man von den alten Fuggern als gütige und nette Menschen spricht. Sie waren keine "bescheidenen" Leute "die viel Gutes für die Armen taten", wie es das Schulbuch "Augsburg, meine Stadt" plemplem zusammenphantasiert, kein "Sinnbild schwäbischer Wirtschaftsleistung", wie es der obrigkeitshörige Geschichtsschreiber Wolfgang Zorn verkündet und kein "bewunderungswürdiges Haus", wie es ein Götz Freiherr von Pölnitz als schleimspurziehender Schönredner der Fugger daherschwafelt.

- Nein, die alten Fugger waren damals knallharte, skrupellose Menschen, die mit allen Mitteln, auch ungesetzlichen, unmoralischen und unchristlichen das Geld aus den Leuten saugten oder saugen ließen. Wenn es sein musste, auch mit Gewalt. Auf jeden Fall keine Vorbilder, oder gar verehrungswürdig, wie uns manche Leute heutzutage vorgaukeln wollen. Im Gegenteil. Es ging ihnen nur darum ihren Vorteil, ihren Reichtum zu mehren, ohne irgendwelche Gewissensbisse, auch wenn andere dafür hungern, bluten oder sterben mussten. "Die Fugger-Fans sollten sich schämen, so in die Scheiße zu langen, wenn Sie die Fugger hochjubeln wollen", meint ein Historien-Experte.


Wie kamen die Fugger nach Augsburg?

- Zum ersten Mal wird ein Fugger 1367 als Hans Fucker in den Verzeichnissen des städtischen Rechnungsschreibers in der Freien Reichsstadt Augsburg erwähnt. "Fucker advenit", Fucker ist angekommen, wurde im städtischen Steuerbuch offiziell vermerkt. " Die Engländer hätten damals schon gewusst, dass der Fugger die armen Leute fickt", lästert ein junger Geschichtsautor. "Deswegen haben sie sich wohl von Fucker in Fugger umgetauft." Hans Fucker kam aus dem Lechfelddorf Graben, bei Schwabmünchen. Aber nicht als Weber, das ist schon eine der ersten Lügen in der wundersamen Story der alten Fugger.

- Nein, dieser Hans Fucker war bereits schon ein kleiner Händler für Weberei-Produkte. Es ist keine dieser vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichten, die aufs Fleiß, Ehrlichkeit und Ehrgeiz geboren werden. Von 2390 Steuerzahlern war Hans Fucker bei seinem Eintreffen in Augsburg schon auf dem 41. Platz der Wohlhabenden. Er hatte bald Häuser, Grundstücke und wurde durch die Beziehungen zu seinem Schwiegervater auch Ratsherr.

- Nicht durch ihr Genie wurden damals die Kaufleute reich, das muss man wissen, sondern durch ihr gewissenloses Vorgehen beim Übervorteilen der Mitbürger. Zudem kamen viele Menschen mit der neuen Wirtschaftsordnung nicht so schnell klar. Hatten sie als gute Chrisen doch gelernt, dass man seine Mitmenschen nicht bescheißt, dass man von ehrlicher Arbeit leben sollte. Die Kaufleute waren eine neue Bevölkerungs-Schicht, die nicht nach diesen Werten handelte. Nach den damaligen Gesetzen galten einige durchaus als Wirtschafts-Kriminelle oder gar Schwerverbrecher. "Je schlechter der Mensch, desto voller sein Geldbeutel", meinte Hans Sachs, ein Kritiker der Reichen im Mittelalter.

- Es war die Zeit als der Mongole Timur Leng mit seiner Goldenen Horde Mittelasien, Nordindien, den Iran und Mesopotamien eroberte. Die Hansestädte bereiteten einen Krieg gegen Dänemark vor. In Deutschland herrschte damals Kaiser Karl IV., der Luxemburger.

- Eine Freie Reichsstadt wie Augsburg war dem Kaiser direkt unterstellt. Dafür bekam der Kaiser direkt von Augsburg finanzielle Abgaben. Die bayerischen Fürsten hatten hier nichts zu melden. Der Lech trennte Augsburg von den Bayern. Mit dem bayerischen Friedberg, auf der anderen Seite des Lechs, gab es wegen diversen Zoll-Problemen nicht nur Streit sondern auch richtig blutigen Krieg.


Harter Job für Kinder

- Die Weber erlebten bei der Ankunft von Hans Fucker in Augsburg gerade eine Umwälzung. Statt dem bisherigen Leinen-Stoff wird der Barchent-Stoff zum gefragten Handelsgut. Der Barchent ist eine Mischung aus Baumwolle, die aus dem Orient kommt und dem Leinen aus der Umgebung. Leinen, gewonnen aus dem angebauten Flachs in der Umgebung war steifer und knitterte leichter. Der Barchent-Stoff ist weicher und daher angenehmer zu tragen.

- Allerdings bekommen dadurch die Baumwollhändler einige Vorteile, die ja die Baumwolle aus der Ferne an die Weber zu ihren Preisen verkaufen können. Die Weber arbeiteten in Augsburg damals noch an einem Webstuhl, der mit der Hand betrieben wurde. Erfunden waren zu dieser Zeit bereits die Schusswaffe, die Papiermühle, die Brille, die Turmuhr und die Fensterscheibe. Der mechanische Webstuhl ist schon viel länger bekannt.

- Einzelne Weber konnten nur ein schmales Tuch weben. Für breitere Tücher mussten zwei Personen am hölzernen Webstuhl mit Kett-, Schussfäden und dem Schiffchen fast pausenlos arbeiten, um überleben zu können. Bei Mustern wurden auch Kinder eingesetzt, die oben auf dem Webstuhl saßen und die Kettfäden anheben mussten. Ein harter Job für Kinder, die für Bildung keine Zeit bekamen, wie die Kinder von reichen Leuten, die mit Privatlehrern darauf getrimmt wurden, mit ihrem Einfluss und ihrer Macht, das Geld aus möglichst vielen Leuten zu pressen und möglichst viele Leute arm zu halten, damit sie besser parierten. Allerdings gelang auch das den Fuckern nicht immer.

Der dunkle Beginn
- Das Einkommen von Hans Fucker aus Graben war über dem Durchschnitt eines normalen Webers. Damals war Augsburg im Griff reicher Patrizier. Als die Zünfte ihre demokratischen Rechte eroberten, war Hans Fugger schon auf der Seite, von der er sich mehr versprach: er beteiligte sich nicht an dem Kampf der Handwerker gegen die Ungerechtigkeit, sondern nahm diese in Kauf und schlug sich auf die Seite der Patrizier, die lieber mit ihren Gesetzen, ihrem Willen, ihren Soldaten, also lieber mit ihrer Macht statt mit ehrlicher Arbeit, viel Geld abzockten.

- Als der Augsburger Bürgermeister Ulrich Schwarz um 1479 für die Bürger in Augsburg soziale Gesetze erließ, untergruben dies die Fugger, als sie sich beim Kaiser, der von ihnen finanziell abhängig war, für die Absetzung von Schwarz einsetzten. Die sozialen Gesetze hätten dem Fugger etwas Geld gekostet. So wie halt allen Menschen, die sich an einem sozialen Staat beteiligen. Die alten Fugger fanden eben nur sozial, was ihrem Reichtum nützte. Die alten Fugger scheuten sie auch nicht, den unliebsamen Bürgermeister Ulrich Schwarz durch den Reichslandvogt hinrichten zu lassen. Eine mörderische Methode unliebsame Leute aus dem Weg zur räumen. Das sind die wahren Hintergründe zur Karriere, der dunkle Beginn zum Reichtum der späteren Fugger.


Bild: Den gerecht und sozial denkenden Augsburger Bürgermeister Schwarz liessen die alten Fugger durch einen Vogt ermorden.

- Fucker fuckert die Tochter des Zunftmeisters. Hat er sie wirklich vergiftet?
Hans Fucker, der Einwanderer aus Graben, beherrschte als frischer Augsbürger von Anfang an alle Regeln und Tricks mit denen man sich in die besseren Schichten von ranmachte. Ihm war klar, dass man nicht als erblich arbeitender Mensch Karriere machen konnte. Nein, er schlief sich hoch. Er heiratete Klara Widolf, die Tochter des Augsburger Weberzunftmeisters. Ein mächtiger Mann. Die Weberzunft war damals sehr groß. Damit erhielt Hans Fucker nicht nur das begehrte Bürgerrecht der Freien Reichsstadt Augsburg, sondern war als Schwiegersohn des Zunftmeisters gleich ein einflussreicher Typ unter den Webern.

- Damit bekam er die nötigen Informationen, um seine Tuche besser verkaufen zu können, als die anderen Weber. Er lernte auch bei den Verhandlungen mit den Baumwollhändlern deren Kniffe kennen. Wir wissen nicht, ob das stimmt, was einige Schreiber von historischen Romanen über die Ehe des Hans Fucker mit Klara Widolf berichten. Einige vermuten, Hans Fucker habe seine Klara vergiftet, damit er eine Ehe mit Elisabeth Gfattermann, der Tochter des nächsten Zunftmeisters, weitaus wohlhabender als Wildof, eingehen konnte. Damit hatte sich Fucker bestens hochgeschlafen. Jetzt war er mit genügend Kohle versorgt, die ihn vom Arbeiten erlöste. Er konnte nun langsam ins Kaufmannsgeschäft einsteigen.

- Manche halten bei den alten Fuggern alles für möglich und finden sogar die Vergiftungs-Theorie nicht ganz unglaubwürdig, wenn man beobachtet, wie brutal die alten Fugger vorgingen, um ihre Kasse zu füllen. Ein Menschenleben war da nicht so wichtig. Als Anton Fucker sich ins Jenseits verabschiedete und seinen Kessel in der Hölle aufsuchte, ließ er für seine Söhne Andreas und Jakob 2000 Gulden zurück. Ein schöner Batzen Geld damals.

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Fortsetzung folgt: Teil II: Wie wurden die Weber von den Fuggern beschissen?
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Bild: Wie wurde dieser raffgierig dreinblickende Fugger reich? Durch ehrliche Arbeit?

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Wer will mehr wissen? Hier steht’s:
Das geheime Wissen über das alte Augsburg:
Das spannende Augsburg-ABC


Was ist Barchent? Barchent ist ein Stoff, der aus Leinen-Fäden und Baumwoll-Fäden gewebt wird. Die Leinenfäden sind dabei die Kettfäden, das sind die Längsfäden in einer Stoffbahn. Das Garn für die Leinenfäden wird aus Flachs hergestellt, der im Umland von Augsburg auf den Feldern angebaut wurde. Die Baumwolle wächst im Orient.

Sie wird von dort nach Venedig geliefert. Die Baumwollfäden wurden mit dem Schiffchen als Querfäden durch die leinenen Kettfäden gezogen, man sagt auch geschossen. Daher wird dieser Querfaden als Schussfaden bezeichnet. Barchent kam aus dem südlichen Europa. Erwähnt wird Barchent zwar erst 1385 in Augsburger Büchern, aber da ist es schon eine riesige Menge von über 10.000 Tuchen, die auf einen längere Herstellungszeit schließen lassen.

Mit dem Barchent kam Augsburgs Aufstieg zur Stadt des Handels. Die Baumwolle kam aus Venedig am Mittelmeer. Sie wurde von Händlern mit Ochsenkarren über die Alpen nach Augsburg transportiert. Die erste Baumwolle für den Barchent-Stoff soll ein gewisser Hans Rem, 1357 von Venedig nach Augsburg transportiert haben. Er war einer der ersten Fernhändler in Augsburg. Der roh gewebte Barchent-Stoff wurde dann von den Färbern und Bleichern weiterverarbeitet, bevor er bei den Schneidern auf dem Tisch landete. Am beliebtesten waren rote und schwarz gefärbte Barchent-Stoffe.

Um 1600 stellten die Augsburger Weber rund eine halbe Million Barchent-Stoffballen her. Dreihundert Jahre später wurde Barchent vom reinen Baumwollstoff völlig verdrängt. Übrigens: Der Begriff Barchent kommt aus Arabien. Damit dieser Stoff schön weich wurde, hat man eine Seite des Barchents aufgeraut. Mit der Industrialisierung wurde Augsburg zur wichtigen Textilstadt. Heutzutage ist Augsburg bei der Herstellung von Textilien uninteressant. Das Textilmuseum soll an die angeblich so glorreiche Vergangenheit als Textilstadt erinnern.

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Leser der Süddeutschen Zeitung dürfen wenigstens als Leserbrief etgwas Kritisches über Fugger äussern:

"Der Artikel über die Fugger in der SZ gibt leider das in Augsburg auf die Fugger gesungene Hohelied wieder. Für die Augsburger mag das nach deren Verständnis richtig sein. In der Betrachtung der historischen Gegebenheiten ist es jedoch in weiten Teilen eine Verzerrung und auch eine Beschönigung der damals herrschenden Verhältnisse. Die größten Ausbeuter jener Zeiten waren die heute so geachteten Augsburger Kaufleute aus dem Geschlecht der Fugger. Sie scheuten zum Beispiel nicht davor zurück, den Bergleuten in Tirol den Pfennwert - das sind Lebensmittel als Teil des Arbeitslohnes - zu weit überhöhten Preisen zu berechnen. Wo es nur ging, versuchten sie, maximalen Gewinn auf Kosten anderer zu erzielen. Kinderarbeit in den Tiroler Bergwerken war an der Tagesordnung - auch, dass diese Kinder scharenweise an Krankheiten infolge dauernder Unterkühlung, mieser und zu geringer Verpflegung und viel zu schwerer Arbeit mit Zwölfstundenschichten dahinstarben."

Christian Brack, Germering