Freitag, 11. Januar 2013

Neues Augsburger Kultur-Magazin: Lechler: Rosaroter Rammler und Brommer-Brummer ....


Lecherlich oder lächerlich? Das neue Augsburger Hochkultur-Magazin.

Jetzt mal ehrlich, zuerst dachten wir, das neue großformatige Augsburger Kultur-Magazin "Lechler" ist ein Prospekt für Leica-Fotoapparate, oder so. Mit seinem dicken Papier nichts für Dünnbrettbohrer übrigens. Auf den zweiten Blick erkannten wir Fikret auf dem Cover, den fröhlichen Wirt aus der Augsburger "Neruda"-Kneipe. Ein bisschen verschwommen abgebildet hinter einem sinnigen Zitat: "Ich stieg auf einen Pflaumenbaum, dort aß ich Trauben". Oder warn's Tauben? Peinlicher Druckfehler? Gleich auf dem Titel beim ersten Heft? Oje. 

Dann greifen wir beherzt zu und schnappen uns die Nr 1 des "Lechler", nachdem uns ein fetter schwarzer brechtiger Bollen auf dem Titel süß verkündete: "erstausgabe kostenlos". Ganz ohne Ausrufezeichen. Cool. Nach einer ganzseitigen farbigen "swa"-Werbung (team m&m) ist auf der - bis auf ein Wort - leeren Seite 4 das Motto des Heftes zu lesen: "multikulti". Also machten wir uns auf ein neues Augsburger Kulturmagazin mit vielen verschiedenen Kulturen gefasst. Wir verzichten hier und jetzt darauf, die unzähligen "Lechler"-Vorgänger wie "Artur" zwischen Lech und Wertach aufzuzählen. Naja, weil wir die meisten auch schon vergessen haben.

Wille zur Frechheit?
Sehr viel Platz im Erstheft aus der Augsburger Traditions-Druckerei Walch erhielt der rosarote Plüschrammler namens Osterhase aus der heidnischen Kultur. Der Fotograf Ingo Heide (oder Heider? Oder Heidi? Oder Heida?) hat sich wirklich viel Mühe gegeben mit seiner vierfarbigen Fotostrecke "Der letzte Weg des Hasen." Müssen wir neidisch zugeben. Der bärtige Kerl, der da in einer kitschigen Hasenmontur steckt, macht einiges mit. Hier ist sogar der Wille zu etwas Frechheit erkennbar, das ein junges freies Kulturmagazin ausstrahlen darfkannsollmuss. Der putzige Hase bekommt Scho(c)k-o-sosse über sein rechtes Ohr geschüttet, die das kuschelige Hasenkostüm mit Glocke am roten Band sauber versaut. Was ist sonst noch drin im ersten "Lechler", das seinen Namen von einem Augsburger Fluss ableitet. Tja, frauenfeindlich? 

Der andere Fluss, die weibliche Wertach, muss auch hier wieder mal draußen bleiben. Aber dafür wimmelts von interessanten und nackten (geistig!) Frauen im elegant gestalteten Heft mit insgesamt 44 Seiten. Die Schwarz-Schei...äh-weiß-Grafikerin mit Augsburgs kreativsten Vornamen Nontira erzählt uns von ihrer Namensgebungswut. Nicht von der ihrer Eltern, schade. Zudem hat sie einen selbst gestalteten Kalender beigesteuert. Nur mit Tusche und Feder gemalt.
Optisch königliche Anzeige. 

Schamlos weiß
Weil das natürlich sehr anstrengend ist, hat sie es mal bei den Monaten Januar, Februar und März belassen. Die Wochentage dürfen wir uns dazu denken. Und weil ja nix in Augsburg los ist, wie wir bei einigen befragten jungen Leuten im Heft erfahren, hat die Nontira auch nur Nonsens reingemacht in ihren SW-Kalender im Format Din A 2, also Null! Nichts! Non! 

Wir mögen den Nontira-Kalender trotzdem, weil wir uns gern an alten Löbensweisheiten festklammern, um ein bisschen Halt in unserer wahnsinnig aufregenden Umbruch-Zeit zu haben, was uns ja auch durch das vorliegende hemmungslos provozierende "Lechler"-Heft einer jungen und wilden Kunst-Bande sofort klarno wird: Auch ein Rücken kann entzücken! Und der ist beim Nontira-Kalender unbedruckt, richtig schamlos weiß, wie ein gründlich ausrasiertes Frauen-Dreieck, ja, jetzt können wir hier endlich die bösen Gedanken unserer schwarzen Läster-Seelen drauffummeln und -rotzen und -kotzen.

War das schon der ganze Inhalt im "Lechler?" Alles durchgehechelt?

Aber nein, wir können noch was über eine neue Augsburg Band namens "Jack Snipe" erfahren. Wobei wir sympathisch finden, dass der Misha "The John Butler Trio" erwähnt. Allein damit haben sich "Jack Snipe" die vier Seiten im "Lechler" ehrlich verdient.

Außerdem lesen wir auf Seite 36 was über einen schlimmen Anti-Multi-Kulti-Spruch unserer weiblichen Kanzlerin Angela, dem die Kultur-Reporter unaufhaltsam mitten in Berlin nachgehen. Dabei kommt echt Schockierendes ans Tageslicht und drum wir braven Datschis vor Angst gleich unters Bügelbrett der Mama flüchten, wo wir auf das Osternest vom letzten Jahr stossen.

Leeres Finale?
Irgendein Sam, der es laut mag, winselt uns was vor, warum er in Berlin keinen Erfolg hat, den er schon in Augsburg nicht hatte, aber vielleicht auch nienicht bekommt, wenn er nach Augsburg auf allen Vieren zurückkriecht. Immerhin hat der Jammer-Same schon zwei edel gemachte Seiten im "Lechler" abgestaubt, wo die Chefredakteurin Nina Hortig, der Art Director Ingo Heider, die zwei Autoren Christina Boos und Nina Hortig und dazu noch die Frau für Anzeigen & Marketing, Christina Boos, inzwischen erkannt haben, dass Hochmuth vor dem Fall kommt. Was? Wie wir da jetzt draufkommen? Weil die tolle einseitige Farbanzeige der Firma Hochmuth, gleich mit drei Hebebühnen, auf der vorletzten Seite, Anzeigenspezialisten sagen auch U3 (Umschlagseite 3) dazu, kommt, bevor das Blatt seinem leeren Finale zustrebt.
 Hochmuth kommt vor dem Ende .... 

Eine grandiose Anzeige, die bestens zu dem Fikret-Zitat auf dem Cover passt. Da wird mitgedacht, gell. Ihr erinnert Euch? "Ich stieg auf einen Pflaumenbaum, dort aß ich Trauben". Genau. Und wie kann man besser auf einen Pflaumenbaum steigen, als wie mit einer Hochmuth-Hebebühne. Einfach grandioses poetisches Marketing! Wir nehmen mal an, diese sinnlich gewagte Anzeige hat der Papa von Christina Boos spendiert, der in der Werbeabteilung von Hochmuth sitzt, oder?

Nachdem wir noch auf der superästhetisch aufgemachten Impressum-Seite mitbekommen haben, dass uns fürs tapfere Lesen "Euer Lechler" dankt, müssen wir auf der letzen Seite ganz unten ein bisschen rätseln, was die Zahlen und Zeichen bedeuten könnten. Hm, eine Nummer fürs Spendenkonto der "Lechler"-Verlags-GbR ist es wohl nicht. 

Diese Ausgeburt
Obwohl die vielleicht bald nötig sein wird, falls das Heft ab der zweiten Ausgabe was kostet. Wir gebens ja zu: ist ehrlich hübsch gemacht, Leute. Ist jedoch bekannt: Eine hübsche Frau hat nichts Aufregendes und wird schnell langweilig. Doch Ihr wisst ja auch, liebe "Lechler"-Macher: In jedem Anfang lügt ein Saubär. Und unser Fikret auf der Titelseite rechtfertigt voll auch nichtssagende Interviews, wie wir sie schon zu Genüge kennen: Ja, in Augsburg ist was los, nein, in Ausgeburt ist nix los.

Da hätten sich die "Lechler"-Leute nur mal eine winzige Scheibe bei Marcus Ertle, dem Augsburger Interview-Artisten abschneiden sollen, auch wenn er manchmal nur irgendwelche Menschen mit allzu privaten Fragen foltert, und schon würden wir paar lächer...äh..lecherliche Zeilen mehr lesen.

Haben wir jetzt alles undankbar und gehässig durch unseren kritischen Wortwolf gedreht? Niemanden vergessen? Doch, unseren Bommas. Tschuldigung, Peter! Den alten Ethno-Freak und Augsburgs heimlicher Pop-Kulturbeauftragter. Er bläst uns ein paar erschütternde Worte "zu Kultur" in die tränenden Augen. Nun erst begreifen wir, warum der neue Augsburger Kulturrat Kultur-Rat heißt: Man muss nämlich raten, wo der Rat und seine Kultur nun geblieben ist. 

Bommalunda gesucht
Ob Peter Bommas der neue soziokulturelle Papst von Datschiburg wird, nachdem Hansi Ruile seine Multi-Kulti-Galeere in der Krässlichmühle verlassen hat (wo ist eigentlich die neue Kressemühle-Chefin im "Lechler?"), können wir hier noch nicht verraten, auch wenn Old Bommalunda auf den Fotos sexy-verhaut rüberkommt, so wie Serge Gainsbourg, der den jungen Bukoswski doubelt. Multikulti halt.

P.S. Was uns am allerbesten Gefallen hat im "Lechler", willst Du wissen? Können wir Dir schon verraten: Die grelle Werbe-Seite von Optik König und noch mehr die ganzseitige Anzeige der Stadtwerke Augsburg. Naja, nicht die gesamte Anzeige, nein, nur die beiden Frauen darin, speziell die Opernsängerin Sophia Christin Brommer am Theater Augsburg und noch spezieller ihr tolles Kleid mit dem anziehend umwerfenden Schaufenster-Ausschnitt - und am allerspeziellsten natürlich Brommers zwei Brummer: Woisch was i moin? Ihr üppig hervoquellender Wunderbusen!
Die Brommer und ihre Brummer.

Wozu natürlich Augsburgs koscherste Werbeagentur M&M den richtigen Slogan verfasst hat: Wer sonst stellt die Kultur ins Rampenlicht?" Ja, richtig, auch Erotik ist Kultur! Hätten wir fast vergessen beim Lechler durchblättern. Danke, lieber Daniel Melcer, du vergisst uns geile Skandal-Böcke Gott sei Dank nicht.

P.P.S. Wird (das oder der?) "Lechler"?) anderen Augsburger Magazinen wie "Neue Szene", "Trendy One", "Augsburg-Journal" oder gar "A3kultur" den Rang in der Publikumsgunst ablaufen können? Ganz bestimmt, das erkennt man schon an den erfolgsträchtigen Einleitungnsworten (junge dynamische Menschen sagen Editorial dazu) der "Lechler"-Redaktion, gegen das auch eine begnadet frommulierende Jungreporterin mit scharfer Rasanz und gnadenlosem Satire-Schmiss, wie die Miriam Zissler, nicht anstinken kann: "Am Ende ist das wohl am ehesten ein People-Magazin, ein Heft über Menschen – und so viel Menscheln sei erlaubt – ein Heft für Menschen ..." Heul, heul, hoi ....

P.P.P.S.: Was da wohl der tote Bruno dazu sagen würde? Wer? Na, Augsburgs bekanntester Printmedienhund weit und breit, der von seinem Medien-Herrchen Pit neulich feierlich beerdigt werden musste? Oder musste Bruno gar sein Leben als Testleser von "Lechler" aushauchen?