Mittwoch, 9. Oktober 2019

Verlotterte Nymphen

Wiederherstellung der Parkanlage mit dem schönen Nymphenbrunnen in der Langenmantelstraße beim Plärrer-Gelände

Völlig verwahrloster Nymphenbrunnen in der berühmten Wasserstadt Augsburg: Eine wahre Schande.


Von den insgesamt über 100 Brunnen in unserer Stadt genießt nur ein Teil die entsprechende Aufmerksamkeit und Pflege, wie z.B. die prächtigen Monumentalbrunnen der Renaissance in Augsburgs Prachtstraße, der Maximilianstraße. Etliche andere bemerkenswerte Brunnen fristen dagegen ein Schattendasein, werden nicht (mehr) gepflegt, haben aufgehört zu plätschern, modern und rotten vor sich hin, wie z.B. der Nymphenbrunnen, 1928 durch Fritz Beck an der Südseite des Telegrafenamtes, Langenmantelstraße 1 errichtet.


Es darf nicht sein, dass die Stadt Augsburg so lieblos mit diesem kleinen Juwel umgeht, zumal die Anlage unter Denkmalschutz steht.

Nachdem Augsburg 2019 den Status eines Weltkulturerbes Wasser verliehen bekommen hat, steht es auch in der Pflicht nicht nur seine Prachtbrunnen zu erhalten und zu pflegen, sondern sich auch um die weniger renommierten Brunnen zu kümmern.

Gerade in Zeiten des Klimawandels, in denen auch die Menschen Schutz vor Sonne und Trockenheit benötigen, ist es nicht nachvollziehbar, dass diese "Oase" zunehmend verrottet und nicht für die Bürger gepflegt wird. Plätze wie diese, die einem kleinen Park ebenbürtig sind, sind zu erhalten und zu pflegen. Hier wirken städtebauliche Aspekte, Naturschutz, Baumschutz und Feuchtigkeit durch Wasser vorbildlich zusammen.

Die Stadt Augsburg weiß schon seit vielen Jahren, dass der Nymphenbrunnen und das Wasserbecken vor dem ehemaligen Fernmeldeamt in einem schlechten Zustand sind. Schon der Umweltreferent Rainer Schaal hatte seinerzeit das Thema angestoßen. Leider wurde unter seinem Nachfolger, Reiner Erben, das Thema nicht mehr verfolgt. Neuerlich angestoßen wurde das Thema durch einen Leserbrief in der Augsburger Allgemeine, wo sich der Verfasser über den schlechten Zustand zu Recht beklagt.

Trauerweiden beim ehemaligen Fernmeldeamt, am Holzbach, neben dem Plärrergelände. 

Angeblich bereiten der Stadt die Kastanienbäume "Kopfzerbrechen", die eine Sanierung zu einer teuren Angelegenheit machen würden. Hierzu lässt uns Baureferent Gerd Merkle wissen: „Wir setzen uns schon länger mit einer angemessenen Restaurierung beziehungsweise Neugestaltung des Nymphenbrunnens auseinander.“ Merkle weiter: „Für Sanierungsmaßnahmen der Brunnenanlage müsste in diesen Baumbestand massiv eingegriffen werden.“

Die vom Baureferenten angesprochene "Neugestaltung" ist aber schon aus Gründen des Denkmalschutzes nicht realisierbar. Die Anlage ist als Bestandteil des ehemaligen Telegraphenamtes unter der Nummer D-7-61-000-606 beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal gelistet. Abgesehen davon ist eine "Neugestaltung", womöglich noch verbunden mit einem aufwändigen Wettbewerb, in keiner Weise wünschenswert. Hier soll vielmehr eine, damals mit viel Weitsicht geplante Anlage als Bestandteil des Baudenkmals Fernmeldeamt, erhalten und nicht durch einen überflüssigen "Neubau" verschandelt werden.

Uns erschließt sich in keiner Weise, warum die Kastanienbäume einer Erhaltung/Sanierung des Brunnens und des Wasserbeckens im Wege stehen sollen. Wir haben vielmehr den Eindruck, dass die Argumentation des Baureferenten nur vorgeschoben ist, um sich auch die nächsten Jahre vor einer adäquaten Sanierung der Parkanlage zu drücken und die Parkanlage weiterhin vergammeln zu lassen.

Unsere Forderungen

Wir kommen nach unserer Begehung zu der Ansicht, dass es nicht viel Aufwand bedarf, die Anlage mit Brunnen, Wasserbecken, den beiden Figurengruppen, Natursteinmauer mit Sitzgelegenheit und den Park mit Bäumen wieder annehmbar zu gestalten und so eine kleine "Oase" für die Augsburger Bürger wieder herzustellen. In erster Linie geht es lediglich um Pflege- und Reinigungsarbeiten.

Das Ziel sollte sein, die Anlage wieder in ihren ursprünglichen Zustand, wie auf dem zeitgeschichtlichen Foto (Bild: Fernamt_Front_Bildquelle_Architektur_Museum_Schwaben.jpg) gut dokumentiert, herzustellen.

– Das Wasserbecken muss sofort von Müll und Bewuchs gereinigt werden und der Abfluss am Südende funktionsfähig gemacht werden, damit sich kein Wasser ansammeln kann.

– Auch müssen die Sinkkästen des Gehwegs am Beckenrand gesäubert werden, damit das Regenwasser abfließen kann. Erst dann können die möglichen Schäden und Undichtigkeiten des Wasserbeckens diagnostiziert werden und Klarheit über den Reparaturaufwand gewonnen werden.

– Etwaige undichte Stellen im Wasserbecken müssen saniert werden. Dies sollte mit entsprechenden Kunstharzen in der heutigen Zeit kein Problem darstellen.

– Säuberung der Beckeneinfassung mittels Hochdruckreiniger mit Wasser.

– Die beiden Figurengruppen der reitenden Kindlein müssen gereinigt werden.

– Die ursprüngliche äußere Einfassung aus einer niedrigen Natursteinmauer (Reste noch erkennbar) mit Sitzgelegenheiten muss wieder hergestellt werden.

– Austausch der asphaltierten Wege durch wassergebundene Decken damit die Bäume besser an Wasser und Luft kommen.

– Auflockerung und Belüftung des Erdreiches im Bereich des Baumbestands als unterstützende Pflegemaßnahme falls erforderlich.

– für den Fortbestand der Kastanien scheint ein Kronenschnitt erforderlich, der auch das gesamte Erscheinungsbild der Bäume verbessert.

– Vor allem die Kastanien zur Straße hin bedürfen dringend der jahrelang versäumten Pflege. Um mehr Erdreich für die äußeren Kastanien zu gewinnen, kann ggf. der Fußweg verschmälert werden, sowie dies an einigen Stellen bereits der Fall ist.

– Die Streusandkiste muss entfernt werden, da der Kies mit Salz gemischt ist und dieses für die Bäume eine zusätzliche Verschlechterung der Lebensbedingungen darstellt, ganz abgesehen davon, dass der optische Gesamteindruck der kleinen Parkanlage hierunter leidet.

– Die ursprünglichen Trauerweiden (siehe Bild: Trauerweiden_fernmeldeamt_1982_Bildquelle_Privat. jpg), die als zeittypische Architekturbäume damals gepflanzt wurden, müssen ersetzt werden.

– Abschließend ist das Pumpwerk des Brunnens zu reparieren. Nachdem der Brunnen erst 2 – 4 Jahre nach dem Becken entstanden ist, scheint er technisch unabhängig vom Wasserbecken gebaut worden zu sein:

Es ist sichtlich kein Rücklauf (mit Schwerkraft) vom Beckenwasser in einen Tank in einer Brunnenstube vorhanden, der auch bei Starkregen einen Überlauf bzw. bei Wassermangel einen automatischen Zulauf von Frischwasser bietet. Bei der Größe des Wasserbeckens und der Wassermenge darin, dürfte das auch nicht erforderlich sein. Erkennbar ist ein Rohr (Abfluss?) auf Höhe des Bodens des Wasserbeckens mittig am Fuß des Figurensockels sowie ein kleiner Eisendeckel hinter dem Sockel im Gehweg. Hier dürfte sich eine Pumpe befinden, die Wasser aus dem Becken direkt zur Figurengruppe und dem Wasserspeier (Fisch) hochpumpt.

Außer einem Elektroanschluss benötigt diese Technik keine Installationen. Es könnte damit also ausreichen, den Elektroanschluss den aktuellen Vorschriften gemäß neu zu installieren, sowie eine sicherlich erforderliche neue Pumpe mit Zeitschaltuhr einzubauen. Wahrscheinlich ist auch ein neuer, dichter Schachtdeckel erforderlich.

Im Herbst kann dann das Wasser vollständig abgelassen werden, damit das Becken vom Kastanienlaub ordnungsgemäß gereinigt werden kann und keine Frostschäden entstehen können.

Nachdem derzeit das ehemalige Fernmeldeamt saniert wird und der Park mit Brunnen Bestandteil dieses Ensembles sind, ist jetzt sicherlich der geeigneter Zeitpunkt die Wiederherstellung der Parkanlage anzugehen.

Mit freundlichen Grüßen


Baum-Allianz Augsburg, der Vorstand




i.A. Christian Ohlenroth

Der attraktive Nymphenbrunnen vor dem ehemaligen Fernmeldeamt, als es hier noch gepflegt aussah. Damals war Augsburg noch keine UNESCO-Welterbe Wasserstadt. 


Vergebliche Stacheln

Nachher: Wunderschönes Rigips-Dach.

Die Deutsche Bahn (DB) spart weder Kosten noch Fantasie wenn es um die Verschönerung der Südhalle des neuen Augsburger Hauptbahnhofs geht:

Nachdem die schmucke Wasserleitung aus teurem Edelstahl von den Tauben entdeckt wurde, kamen die aufgeklebten Metallstacheln zum Einsatz. Jetzt verschwindet das Ganze unter einem schrägen Vordach aus aufwändigem Rigips. Leider zeigen die Stadtwerke das noch nicht im Rahmen ihrer Tunnelführungen. Die Durchgeführten wären sicher begeistert.
Vorher- Wunderschöner Taubensitzplatz.