Freitag, 6. März 2009

Unsere aktuelle Serie: Jakob Fugger der Reiche: ein "übler Gangster" oder ein "edler Wohltäter"? (Teil I)


Bild: Starkes Stück! Der Fugger-Skandal! Der berühmte Augsbürger Jakob Fugger wird völlig ungerechtfertigt als Dunkelmann auf einer Briefmarke dargestellt. Was steckt hinter dieser dubiosen Aktion der Augsburger Postservicefirma LMF wirklich?

- Dieses Jahr, ab heute dem 6. März 09, feiert Augsburg seinen berühmten, aber leider auch umstrittensten Sohn: Jakob Fugger der Reiche mit zahlreichen Veranstaltungen unter dem Motto "550 Jahre Fugger".

- Sollen mit dieser viel beachteten Image-Aktion die dunklen, womöglich blutigen Flecken aus eine alten Fugger-Weste gewaschen werden? Das trompeten gemeinerweise einige Geschichtsverfälscher durch die Gegend. Will man uns mal wieder glauben machen, dass reiche und mächtige Menschen automatisch schlechte Menschen sein müssen? Vor allem, wenn sie die "erste Sozialsiedlung der Welt" gegründet haben.

- Bösartige Geschichtsforscher vermuten hinter der Fuggerei gar nur einen geschickten Schachzug, damit der Fugger einem Prozess entkam, der sehr schlecht für ihn ausgehen hätte können. Sogar mit der Todesstrafe wegen unchristlicher Geschäfts-Methoden?

Bild: Der Schauspieler Heinz Schulan vom S'Ensemble-Theater demonstriert hier den einflussreichen Draht der Fugger in die höheren Regionen.


- Jakob Fugger soll zu seiner Zeit einer der reichsten, wenn nicht sogar der reichste Mann Europas gewesen ist. Aber wie wurde er so reich? Als Weber am Webstuhl? Durch ehrliche Arbeit?

- Es gibt leider einige neidische Kritiker, die uns weismachen wollen, dass Jakob Fugger und sein ganzer Fugger-Clan durch schlimme Ausbeutung kleiner Leute sein Gold und Geld unrechtmässig zusammenschaufelte, weil er mit dubiosen und unchristlichen Methoden vorging.

Klug gemacht: Die wunderbare Sonderbeilage in der Augsburger Allgemeinen, die uns endlich über den (guten?) Jakob Fugger aufklärt. War er wirklich so grausam wie die Medici?

- Die ärgsten Neidhammel behaupten sogar, dass "die Fugger nicht vor schlimmster Kriminalität zurückschreckten, um ihre Schätze zu horten, um ihre Familie reich und mächtig zu machen. Viel von Fuggers einstigem Reichtum beruht auf dem Blut von Menschen, die für die Fugger ungerechterweise sterben mussten. Manchmal elendiglich". Wir werden mit dieser Serie hundertpro beweisen, dass Jakob Fugger der Reiche der beste Mensch aller Zeiten und Welten war! Wir lassen uns den grossherzigsten, sparsamsten und beliebten Augsbürger nicht madig machen!

- Was ist an der Verleumdung der einstigen Fugger in der Zeit von Columbus und Luther als Ausbeuter und Gangster wirklich dran? Kann es sein, dass Augsburg mit "550 Jahre Fugger" einen geldgierigen Verbrecher feiert, der diesen Jubel überhaupt nicht verdient hat? Manche Historiker meinen, "man sollte lieber die vielen Opfer von Fugger feiern, die Kinder, die Frauen, die Männer, die vor fünfhundert Jahren für die Fugger und ihre angestellten Arschkriecher als Sklaven, Gefangene, Unterdrückte oder Leibeigene elendiglich schuften mussten, gepeitscht wurden und gewissenlos der Raffgier geopfert wurden." Wir sind gewiss, dass bald das Augsburger Fugger-Gymnasium eine Aktion gegen diese hässlichen Vorwürfe unternimmt.

Bild: Totale Geschichtsklitterung mit schrecklichen Bildern von einem womöglich fugger'schen Bergwerksarbeiter, der sich über unrechtmässige Überstunden aufregte und dann auf Befehl von oben geköpft wurde.

- Damit auf unserem gefeiertem Jakob Fugger kein Schimmer dieses bösen Verdachts haften bleibt, wollen wir von der Augsburger Skandal-Zeitung mal ein bisschen in der Augsburger Geschichte wühlen. Ohne Gewähr natürlich. Auch früher wurde gelogen und betrogen. Und nicht nur durch Kaufleute und Banker sondern auch durch gekaufte oder gemietete Schreiberlinge, die das Verbrechen ihrer Auftraggeber mit feinen Worten verklären mussten, weil die Herrschaften für ihren Nachruhm sorgen wollten. Die Kritiker sagen: "Jetzt sind oft nur noch die schriftlichen Lobhudeleien von Leuten wie Peutinger in den Archiven, aber kaum noch die Dokumente über die Verbrecher, zu denen man auch einige der Fugger vor fünfhundert Jahren rechnet".

- Am 6. März 1459 wurde Jakob Fugger in Augsburg geboren. Er lebte bis 1525. Er wurde also nicht sonderlich alt. Trotzdem schaffte er es in seinen fünfzig Jahren auf der Welt Reichtum und Macht für seine Familie zu horten. Es war eine unruhige Ära. Die Polen eroberten Marienburg. Königsberg wurde Sitz des Hochmeisters vom Deutschen Orden. Die katholischen Portugiesen töteten viele heidnische Marokkaner beim Feldzug im nördlichen Afrika. Die Türken beschossen Konstantinopel, heute Istanbul, im Jahr 1453 schon mit Kanonenkugeln aus Stein und Metall. Fünf Jahre später nahmen sie unter vielen Opfern Athen ein und zogen unaufhaltsam weiter zum Abendland in den Westen, wo gerade von Johannes Gutenberg die Buchdruckerkunst erfunden worden war.

- Im gleichen Jahr wie der als "Frühkapitalist" geschmähte Jakob Fugger wird auch sein späterer Kaiser-Kumpel Maximilian I. geboren. Papst Pius II. stiftete die Universität Basel. Cosimo Medici gründet die "Academia Platonica", eine Schule im Geiste des antiken Philosophen. Damit beginnt die Epoche der Renaissance. Wir wissen ja: "Augsburg - Die Renaissancestadt", steht ein braunes Schild an der Autobahn zwischen München und Stuttgart, das auf unser Schtädtle und seine kulturellen Reichtümer hinweist.

- Die Türken, damals die Osmanen, verbreiteten schon vor fünfhundert Jahren Angst und Schrecken: Bereits 1459 marschieren sie auf dem Balkan in Serbien ein, dessen Bewohner nach Ungarn flüchten, falls sie es lebendig schaffen. Der christliche Adel in Westeuropa fürchtete um seine Macht und Schätze und überlegten sich Massnahmen gegen die vorrückenden moslemischen Osmanen.

- Er sollte ein katholischer Geistlicher werden. Jedoch gab er 1478 sein Kanonikat auf. Nach einem längeren Aufenthalt in der Kaufmannsstadt Venedig. Er übernahm die Leitung der Firma "Jakob Fugger und Gebrüder Söhne". Statt als Pfarrer in der Kirche sass er nun in seiner "Goldenen Schreibstube" in der heutigen Maximilianstrasse.

Bild: Immer wieder werden die Kaufleute und Banker als Schummler dargestellt. Wie auf diesem Holzschnitt, wo ein Händler die Waage zu seinen Gunsten manipuliert.

- Dieses kleine Fugger-Reich in einem grossen Haus war luxuriös ausgestattet mit ahorngetäfelten Decken und Wänden, dunklem und mit Gold überzogenem Schnitzwerk, schweren, samtgepolsterten rotblumigen Lehnstühlen. Ein kunstvoller Schrank mit Flügeltüren mit Flügeltüren barg Teile des Fuggerschen Reichtums: Goldrollen, Wechsel und Schuldbriefe.

- Der Schreibtisch, getragen von vier sitzenden Löwen, reich verziert mit Gold und Perlmutter, war bedeckt von einer Platte hellgrünen, weissschwarz geäderten Marmors und angefüllt mit siegelbeschwerten Urkunden. Gekrönt wurde das Ganze vom Fuggerschen Wappen: den blauen Feldern mit den aus Gold getriebenen Lilien. Dieser Prunk setzte sich fort in den Familiensälen des Fuggerhauses am Weinmarkt.

- Wie kam es zu diesen Schätzen? Woher hatten die Fugger diese kostbaren Dinge? Waren sie ihnen durch Glück oder Arbeit zugeflogen? Das erfahren Sie in den nächsten Tagen in unserer regelmässigen Serie über die wild- und mildtätigen Fugger. Wurde der Reichtum der Fugger mit kriminellen Methoden aufgebaut?

- Finanzierten die Fugger die Söldnerheere, die den Aufstand der geknechteten und misshandelten Bauern blutig niedermetzelten, weil auch der Reichtum der Fugger bedroht war? "Das wäre vielleicht so, wie wenn heutzutage ein Herr A. von der D. Bank herginge und der Bundeswehr ein paar Panzer kaufen würde und damit gegen den Kapitalismus demonstrierende Studenten niederwalzen liess", meinte ein vergleichender Historiker. Undenkbar, meinen wir - und ein saudummer Vergleich!

Bild: Während die fleissigen Fugger mit viel Anstand ihr karges Dinkelsuppen-Mahl futterten, eine adlige Vorfahrin verfasste nämlich einen mittelalterlichen Knigge, schlemmten die faulen Bauern mit vergoldetem Fasanenbraten.

- Obwohl heutzutage sogar die meisten allein erziehende Mütter im Geld schwimmen, mussten sich die fleissigen Fugger vor fünfhundert Jahren von karger Hafergrütze ernähren, während sich die faulen Bauern noch über den besten Fasanenbraten beim schwitzenden Koch beschwerten.

- Werner der Gartenaer stellte in seinem Buch "Meier Helmbrecht" diese schreiende Ungerechtigkeit an den Pranger, wobei ein Kaufmannsvater seinen Sohn einige christlich-moralische einwandfreien Dinge beibringen will: "Trink lieber Wasser, mein Kaufmannssohn, ehe du dir durch deine Räuberei Wein verschaffst. Unsere heimischen Semmeln hält jedermann, jung und alt, für einen Leckerbissen, die iss nur, liebes Kaufmannskind, ehe du ein geraubtes Rind für ein Huhn geben musst, wo du einkehrst. Ach, iss lieber Roggenbrot, ehe du mit Schande ein feines Fischgericht isst. Wenn du auch viel Geld und Ansehen erwirbst, ich will bei Gott nicht mehr mit dir gemein haben."

- Manche entsetzte Augsbürger finden es auch ganz mysteriös, dass selbst der Chefredakteur der gutmütigen Augsburger Allgemeine, Rainer Bonhorst, in einer Sonderbeilage über den reichen Fugger völlig unnötig am Gutmenschen-Image des Goldkappen tragenden Jakobs herumkratzt. Ein extremer Augsburg-Fan: "Hier sollte doch gleich mal die leidgeprüften Fugger-Bank überprüfen, ob dieser Fuggernestbeschmutzer nicht ein Konto hat, das man sofort einziehen könnte?"

- Wir hoffen und glauben ganz fest, unser Kollege, der hohe AZ-Mann, denkt sicher nicht an den Jakob Fugger, wenn er schreibt: "Die grossen Kaufleute jener Zeit aber waren Abenteurer. Sie schickten Schiffe hinaus in kaum bekannte Regionen der Welt. Sie setzten sich in ihren Geschäften auch über Grenzen der Moral hinweg, kauften Kaiserwahlen, verkauften Ablässe und schreckten vor dem Sklavenhandel nicht zurück. Sie gewannen viel und riskierten viel."

- Wir hoffen auch inständig, die unzähligen Anzeigenkunden dieser AZ-Fugger-Einlage, wie das Jaguar-Haus Kohler, der Modesalon Barbara Hintermaier, der Möbel Schneider aus Kissing, die Euro Fachakademie in Ingolstadt und vor allem der Finanz-Artist Daniel Götz in Friedberg, bekommen das nicht in den falschen Hals. Was hätte Fugger der Reiche mit Leuten gemacht, die ihn in ein schummriges Licht gesetzt hätten? Kann uns leider keiner mehr sagen.

Bild: Immer wieder versuchten die "nichtsnuzigen Weber" den gutmütigen Jakob Fugger mit schlechtem Tuch über den Tisch zu ziehen.

- Wir werden jedenfalls für den seelisch grausam behandelten Jakob Fugger, der immer dafür sorgte, dass selbst seine ärmsten Weber, denen er das Geld für ihre Arbeit stets mit sanfter Gewalt aufdrängen musste, an dem katholischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild, die in der Fugger-Beilage der AZ so wunderbar bunt werben, eine schöne Kerze anzünden.

Bild: Es gab keinen tiefgläubigeren Menschen als den Jakob Fugger. Er soll die Wallfahrtskapelle errichtet haben, bei der das göttliche Goldwunder geschah. Aber wie?

- Von Rührung wurden wir überwältigt, als wir die faszinierende Anzeige der "Fuggerstadt Weißenhorn" betrachten, wo man auch einen Vortrag über den Namen Josef-oder Bepperl oder Sepp hören kann. Aber hiess dieser Fugger, "der die Weißenburger Weber nach Ansicht eines voll giftigen Kritikers bis zum letzten Blutstropfen ausquetschte" nicht Jakob? Ist das auch so eine hinterhältige Image-Lüge von Fugger-Feinden? Manche Leute wollen einfach nicht verstehen, dass auch damals schon die Kaufleute gezwungen waren den Landwebern bei schlechtem Tuch, was von angeblich "fuggerhörigen Schiedsgerichten" bestimmt wurde, keinen Lohn erhielten, sondern die Ware konfisziert wurde.

- Die wollten doch sicherlich nur den Fugger schlechte Ware unterschieben und betrügen, oder? Alte Dokumente und Aussagen von sächsischen Webern, die von Augsburger Kaufleuten berichten, die Bürgermeister und Ratsherren geschmiert haben sollen, halten wir für plumpe Fälschungen.

Bild: Jakob Fugger war stets ein grossherziger Mäzen für Kultur und Künstler. Auch für Poeten. Dies wirkt auch noch bei der dichtenden Barbara aus Ried weiter. Toll! Fuggermedaille in Gold für diesen flotten Reim!

- Die einstigen Fugger-Kritiker haben schon längst ihr Leben ausgehaucht. "Zum Beispiel der Pfarrer von St. Moritz, der Kirche von Jakob Fugger dem Reichen, die genauso wie heute gleich um die Ecke ist, aber dummerweise keinen Pfarrer mehr hat, der sich auch gegen ausbeuterische Reiche was zu sagen traut, die nicht nach den Worten von Christus handeln, die nicht Recht und Gerechtigkeit gelten lassen, die glauben andere müssten für sie arbeiten und schlechter verdienen als die, die nix tun", sagen völlig uninformierte und total unnötig klassenkämpferische Gemeindemitglieder.

- Welcher Augsbürger würde es heutzutage schon wagen, einen Fastheiligen wie Jakob Fugger den guten Reichen, in den modernden moralischen Sumpf zu ziehen? Wir jedenfalls nicht! Wir machen uns die Hände nicht schmutzig! Auch nicht in den nächsten Beiträgen über unser Supeduperkaufmanns-Genie "Jack, the Fucker" wie sich manche witzigen Engländer zu sagen trauen. Sie sollen sich von uns nur nicht erwischen lassen, wir würden denen nicht nur die Nase lang ziehen! Schliesslich haben wir Aufzeichnung aus den alten Folterkellern der mittelalterlichen Inquisition, die rein gar nichts mit reichen Kaufleuten zu tun hatte, das seid gewiss ihr Lügenbolde!

Bild: Auf der ganzen Welt wollen dahergelaufene Verleumder und Schmierfinken unseren reichen Jakob in den moralischen Sumpf ziehen. Manche behaupten sogar, dass der "billige Jakob" auf der Augsburger Dult ein unehelicher und verstossener Abkömmling eines adligen Fuggerzweigs sein soll. Pfui!

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Liebe Leserin, lieber Leser, bleiben Sie dran! In unserer spannenden Serie erfahren sie noch die Wahrheit über den schlimmen Tod eines kleinen Jungen im Fugger-Bergwerk, über das brutal vergewaltigte Sklavenmädchen beim Fugger-Kontor und über den gnadenlos gefolterten und hingerichteten Fugger-Geschäftspartner!