Montag, 23. Juli 2018

Geheime Filmvorführung: Brechtiger Streifen: Superfrech! Wer kriegt da einen Steifen?

Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm kommt in die Kinos.
Es wird gewirbelt, gesungen, getanzt, geliebt, gelogen, geprügelt, geklaut und gemordet.

Bei Bert Brecht gehts auch um Gier und Völlerei,
um Wasserleichen und Leichenschändung und auch um
die obszönen Wonnen des Fleisches. 

Der Augsburger Lyriker und Theatermacher Brecht will der Verblödung der Oper entgegen wirken.
   
Gewagte Sex-Szenen werden nicht geboten,
denn der Film soll ja später auch Schülern gezeigt werden können.

Während sich Augsburgs Theater mit einem Verbrecher-Musical über den historischen Blutsauger Jakob Fugger auf der Freilichtbühne abquält, laufen alle Vorbereitungen für den Start zum neuesten Film über Augsburgs bekanntesten Sohn Bert Brecht. Der hat sich lieber für die arbeitenden Leute engagiert.


Brecht, das ledermanteltragende Zigarrenmonster aus Augsburg, zerdeppert mit seinen ätzenden Worten jeglichen romantischen Kitsch.
Vor den Nazis muss er fliehen.

Mit seiner Dreigroschenoper verfasste Brecht, geboren 1898 in Augsburg, zusammen mit dem Komponisten Kurt Weill eines der  bekanntesten Musicals aller Zeiten: die "Dreigroschenoper".

Die Ruderbootszene mit einem verliebten Paar unter einem Vollmond wurde für den brechtigen Film nicht in der Augsburger Kahnfahrt aufgenommen. Die Dreharbeiten für Langs Brecht-Film fanden in Baden-Württemberg, Belgien und Berlin statt.

"Und der Haifisch, der hat Zähne ..."
Wer kennt diesen Song nicht?

"Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm". Das Drehbuch dazu stammt vom früheren Augsburger Brecht-Festival-Leiter Joachim A. Lang, der auch Regie führte.

Nachtleben in Berlin wo Brecht seinen Dreigroschen-Erfolg feierte.
Es geht um den Streit von Bert Brecht mit Filmproduzenten, die seine Theaterstück "Dreigroschenoper" Gewinn bringend auf die Leinwände der Lichtspieltheater bringen wollen.

Diese Brecht-Film kommt ab 13. September 2018 in die Kinos. In Augsburg können wir ihn dann auch ab diesem Tag in den Thalia Kinos beglotzen - aber nicht zu romantisch.

Die goldenen 20er sind im Film voll turbulent dargestellt.

In Augsburg gab es schon vor einigen Wochen eine geheime Vorführung im Thalia-Kino. Dazu hatte Lang Kultur-, Theater- und Brecht-Freunde wie AJ-Herausgeber Walter-Kurt Schilffarth und seine Tochter Anja, CSU-Politiker Bernd Kränzle, Buchhändler Kurt Idrizovic, Provo-Schreiberling Arno Loeb, Kulturjournalistin Sybille Schiller, Landrauschen-Produzent Johannes Müller, Kinobetreiber Franz Fischer, Daz-Herausgeber Siegfried Zagler mit Malzeitladeninhaberin Andrea Huber, a3kultur-Verleger Jürgen Kannler, SPD-Politiker Karlheinz Schneider, Kabarettistin Biggi Felsl, Boulevard-Journalistin Marion Buk-Kluger, DAZ-Autor und Herausgeber Siegfried Zagler, Kajakguru und Autor Karl Heinz Englet, Fotoreporterin Lina Mann und Theater-Intendant André Bücker, intim eingeladen.

Joachim A. Lang dankte besonders Kurt Idrizovic und Arno Loeb, die für den Schauspieler Lars Eidinger, der Bert Brecht im Film darstellt, eine Mundartprobe im Augsburger Datschi-Dialekt einsprachen. Wie einst auch Bert Brecht sprachlich unterwegs war, was bei einem kleinen Original-Ton von B.B. im Film zu hören war.

Komischerweise fehlte Augsburgs Kulturreferent Thomas Weitzel.

Die opulente Kostümausstattung und viele tolle Tanz-Szenen sind allein schon den Filmbesuch wert.

Das Personal in diesem Film, der über 2 Stunden dauert, ist die Spitzenklasse der deutschen Schauspieler. Von Lars Eidinger (Bertolt Brecht)
Tobias Moretti (Macheath / Mackie Messer),
Hannah Herzsprung: (Polly) / Carola Neher)
Robert Stadlober (Kurt Weill) bis hin zu Max Raabe als Moritatensänger mit Drehorgel. Wir hörten, zur Filmpremiere in Berlin soll das Augsburger Drehorgel-Orchester von Bertl Balogh auftreten.

Diese Männer mit den Geldkoffern regieren die Welt.

Der gut gemachte Trailer zum Brecht-Film ist hier zu sehen.

Stimmen zu Langs Brecht-Film:
Kneipe als Bühne 
Die Bordellszenen sind ziemlich harmlos ausgefallen.
Aber wer genau hinschaut, kann Strapse und nackte Brüste entdecken.
"Am Anfang von „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ gibt es eine Einblendung mit dem Hinweis, dass alles, was Lars Eidinger als Brecht im Film sagt, auf gesicherten Zitaten aus dessen Leben und Werk beruht. Das passt zu dem (zu) durchdachten Konzept des Films: Für ausgewiesene Kenner des brechtschen Schaffens ergeben sich so manch reizvolle Querverweise, aber der Protagonist wird dabei auch zu einer Art selbstverliebter Bonmot-Maschine, die bei jeder Gelegenheit druckreife Reden schwingt. Der Brecht des Films macht nicht nur aus dem Gerichtssaal eine Bühne, sondern auch aus der Kneipe oder der Küche." (Filmstarts)

Londons Verbrecher-Boss, Mackie Messer, macht sich an die Frauen ran.
Zynischer Zeitgeist
"Der Dichter Bert Brecht nahm einen von seiner Mitarbeiterin und Geliebten Elisabeth Hauptmann übersetzten Stoff – die 1728 von John Gay komponierte „Beggar’s Opera“ –, würzte sie mit ein bisschen Kipling, einer Prise Villon und sehr viel jugendfrischem Augsburger Genie-Selbstbewusstsein (er war gerade erst 30), verlegte sie in das England Jack the Rippers und traf damit den zynischen Zeitgeist nach dem Ersten Weltkrieg." (Die Welt)


Joachim Lang vor dem Augsburger Bert-Brecht-Haus.
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Die "Dreigroschenoper" ist eines der bekanntesten Theaterstücke.

Humoristischer Brecht
"Denkt man an Bertolt Brecht in seiner Eigenschaft als Filmemacher, kommt einem wahrscheinlich „Kuhle Wampe“ in den Sinn, der Agitprop-Klassiker der Weimarer Republik aus dem Jahr 1932. Oft vergessen wird dagegen, dass Brecht auch an den kuriosen, surreal-humoristischen „Mysterien eines Frisiersalons“ beteiligt war. Die Filmgeschichte kennt somit einen dogmatisch-kommunistischen und einen verspielten, humoristischen Brecht. An letzteren hält sich der Film des Brecht-Experten Joachim A. Lang." (Cinetastic)

Unheimlich wird es im Londoner Untergrund wo der König der Bettler regiert.

Welthits von Raabe
"Als Film im Film ist auch die Geschichte des Gangsterbosses Mackie Messer zu sehen, der von Tobias Moretti („Die Hölle – Inferno“) gespielt wird.
Die Welthits aus der „Dreigroschenoper“ werden im Kinofilm von Max Raabe („Nacht über Berlin“) gesungen, begleitet von den Musikern des SWR Symphonieorchesters." (kino.de)

Wo sitzen die schlimmsten Diebe?
Laut Langs Film auch in den Banken.

Überbordend und musikalisch frech
"Brechts Vorstellung ist radikal, kompromisslos, politisch pointiert. Eine ganz neue Film Art will er kreieren. Doch die Produktionsfirma will sich auf keinen Fall darauf einlassen. Sie wollen auf der Erfolgswelle schwimmen und an der Kasse den großen Reibach machen.
Regisseur Joachim A. Lang interpretiert seinen 'Dreigroschenfilm' völlig neu. Dabei lässt er Realität und Fiktion verschmelzen. Der Dichter spricht die Originaltexte in Zitaten aus dessen gesamten Werk und Leben. Wobei die Handlung bis in die Gegenwart führt.
130 rasante Minuten – überbordend und musikalisch frech."

Brecht feiert mit seiner Künstler-Clique die Niederlage gegen die Filmproduzenten vor Gericht.
"Die Filmindustrie ist zu doof, sie muss erst bankrott gehen."
Glotzt nicht so romantisch!