Sonntag, 28. Januar 2018

Sina Trinkwalder wird zum Geburtstag immer radikaler: "Wir nahmen uns jede Freiheit, bis wir sie uns gänzlich genommen haben!"

Die musikbegeisterte Sina Trinkwalder hört selbst noch im hohen Alter jeden Tag den Song "Liebe macht Blöd" von ihrer Augsburger Lieblings-Punkrockband Impotenz.
(Das Bild zeigt die Geburtstags-Glückwunsch-Karte ihrer
Belegeschaft bei ManoMama)

Exklusiv-Interview mit Augsburgs Textil-Heiliger Sina Trinkwalder. Nur uns beichtet sie die schlimmsten Sünden!

"Filetiert und ferngesteuert"


ASZ-Frage: Hallo Sina, wir glauben, du hast bald einen besonderen Tag, stimmts?

Sina Trinkwalder: Ja, mich überkam heute eine kurze Melancholie. Morgen wirst du 40, dachte ich, während ich durch die stille Nähhalle lief. Morgen ist Halbzeit! Und dann wurde mir bewusst, dass es völlig anders ist als vor meinem 30.

ASZ-Frage: Willst du ab 40 was anders machen?

Sina Trinkwalder: Ich schwor mir mit 30 alles anders zu machen, nahm mir unzählige Dinge vor, die noch geschehen müssen und dachte, mein Leben komplett ändern zu müssen. 

ASZ-Frage: Ehrlich? Was nehmen Sie sich für die Zukunft vor?

Sina Trinkwalder: Heute nehme ich mir überhaupt nichts mehr vor, keine Veränderung, nichts Anderes. Denn ich bin in der Halbzeit schon am Ziel: ein rundum glückliches und zufriedenes Leben.

ASZ-Frage: Gibts noch was Schönes in Deinem Leben, außer soziales Nähen, emsiges managen, viel Werbung machen, unermüdlich durch die TV-Studios hüpfen, die Zeitungsredaktionen beschäftigen, im Internet herumtoben und Bücher schreiben?

Sina Trinkwalder: Ja, sicher, meinen wunderbaren Filius beim Aufwachsen begleiten zu dürfen, meinen ebenso wundervollen Hendrik an meiner Seite zu wissen, wenige, aber sehr wichtige und liebe Freunde, die mich begleiten, absolute Erfüllung in meinen Engagements und viele neue Projekte, auf die ich mich sehr freue. 

ASZ-Frage: Das wars dann für den Rest Deines Lebens?

Sina Trinkwalder: Alles in allem schenkt mir mein Leben das schönste Geschenk zum 40.: ein lebens- und liebenswertes, voller Zufriedenheit. Danke Leben!


ASZ-Frage: Woran hast du gemerkt, dass du 40 wirst?

Sina Trinkwalder: Vor dem Fahrkartenautomaten stehen und voller Überzeugung dreimal die falsche PIN eingeben.

ASZ-Frage: Ist das schon Gejammere?

Sina Trinkwalder: Weil Menschen bei uns seit 50 Jahren keine Not erlitten, jammern sie. In Not wird nicht gejammert. In Not hilft man einander. Worte meines Opas, 1998.

ASZ-Frage:  Wir haben gehört, du jammerst sogar, wenn in Rom ein Café geschlossen wird. Warum?

Sina Trinkwalder: Der Kapitalismus frisst alles: Eine gute Gesellschaft braucht Cafés, in denen sich Menschen treffen, leben, verweilen, denken, kommunizieren, langweilen, ausruhen können. Wer im „Greco“ in Rom schon mal war, weiß, was dieser Verlust bedeuten würde...

Näher an den Menschen als viele Politiker und Parteien: Trinkwalder-Werbung mit einem Schäfer in Augsburg, wo sie auch mit ihren Leuten für ManoMama die Kleidung herstellt.


ASZ-Frage: Was ist mit einem neuen Buch von dir? Wir warten darauf.

Sina Trinkwalder:  Ich sitze manchmal in einem Café und arbeite an meinem neuen Buch. Eigentlich sortiere ich die Gedanken, die ich seit knapp sieben Jahren, fast täglich, in kleine Notizhefte geschrieben habe. Ein Satz, den ich bereits vor zirka zwei Jahren niederschrieb, hieß: Wir nahmen uns jede Freiheit, bis wir sie uns gänzlich genommen haben. 

ASZ-Frage: Warum das denn?

Sina Trinkwalder:  An diesem Satz blieb ich hängen. Drei Cappuccino lang. Wieso hast du dir eigentlich die Freiheit genommen, die du dir nahmst? Warum hast du aufgehört, zu bloggen, fragte ich mich selbst. 

ASZ-Frage:  Was war der wahre Grund?

Sina Trinkwalder: Ausbleibender Erfolg war es nicht, im Gegenteil. Innerhalb von einem Jahr entwickelte sich 2010 mein Gründerzeit-Blog zu einem stark gelesenen Netztagebuch. Und dann hörte ich auf.

ASZ-Frage: Keine Zeit mehr? Faulheit? Verbot? 

Sina Trinkwalder:  Nein, ich entdeckte Facebook. Die unkomplizierte Art war es, in dem Sozialen Netzwerk eben schnell etwas loszuwerden, obgleich meine Beiträge oftmals alles andere als „eben schnell“ verfasst wurden. Facebook musste nicht updated werden, gepflegt werden, es war das Rundum-Sorglos-Paket.

ASZ-Frage: Damit ist jetzt Schluss, oder? 

Sina Trinkwalder:  Nein, ich nutze Facebook gerne, um mit meinen Freunden und Wegbegleitern zu kommunizieren, zu lachen, zu blödeln. Themen für die Zukunft aber sind mir zu wichtig. Viel zu wichtig, um sie von Zuckerberg & Co. filetiert und ferngesteuert zu sehen ... 

ASZ-Frage: Teufel, Teufel ...

Sina Trinkwalder: ... denn: dieses Netzwerk hat auch um mich eine Filterblase gebaut. Es schlägt mir vor, was mir zu gefallen hat und verheimlicht mir, was mich interessieren könnte. Aus der bequemen Freiheit ist in Wahrheit ein kommunikatives Gefängnis geworden. Und aus diesem breche ich aus. Jetzt.

ASZ-Frage: Wirklich?

Sina Trinkwalder:  Jep, hello World, welcome back…Lest meinen Blog: https://sinatrinkwalder.de/



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Heute hat Sina Trinkwalder in der ehemaligen Textilstadt Augsburg eine Textilmanufaktur-Halle neben dem Einkaufscenter City-Galerie, das auf dem Gelände der früheren Textildruckerei NAK hingeklotzt wurde. In dieser NAK lernte unser verblödeter Herr Ausgeber Arno Loeb irgendwann mal in den 1970ern den Beruf Industriekaufmann Textil. Hat ihm, im Gegensatz zur erfolgreichen Sina, allerdings nicht geholfen, wie man heute noch sieht.

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Sina Trinkwalder,
Jahrgang 1978, studierte Politik und Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach erfolgreichem Abbruch arbeitete sie über 10 Jahre als Geschäftsführerin ihrer eigenen Werbeagentur. 2010 wechselte sie die Seiten und gründete das erste textile Social Business in Deutschland: manomama. In dieser Kleidermanufaktur werden von ehemals arbeitslosen Näher/innen innerhalb einer regionalen Wertschöpungskette ökosoziale Bekleidung und Accessoires produziert.

Für ihr ökologisches und soziales Engagement wurde Sina Trinkwalder mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem ist sie vom Rat für Nachhaltigkeit der Bundesregierung zum „Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit 2011“ ausgezeichnet worden und erhält 2015 das Bundesverdienstkreuz.

Mit der Augsburger Stadtregierung will sie lieber nichts zu tun haben, denn von der wurde sie bei ihrer Manufaktur-Gründung durch aktive Nichthilfe bitter enttäuscht.

Sonntags-Bildla

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