Donnerstag, 19. Juni 2014

Manfred Blank: "Mit Freuden lasse ich die falschen Freunde hinter mir!"

Bild: Manfred Blank verlässt Augsburg.

Bilder: Manfred Blanks Vorfahren.

Manfred Blank ist in Augsburg als Musiker und Übersetzer bekannt. Geboren wurde er 1952 in Cuxhaven an der Nordsee. Da seine Eltern beide Musiker waren, wollte auch er schon bald diesen Beruf ergreifen. Seine erste Gitarre (eine 12-saitige von Framus) bekam er 1967. Schon wenige Monate später trat er mit seinem Freund und Klassenkameraden Wolfgang Hessling bei kleineren Veranstaltungen auf. Ihr Repertoire bestand hauptsächlich aus Spirituals, die sie im Stil des “Golden Gate Quartet” arrangierten. 


1970 zog Manfred nach Augsburg und studierte eine Weile am Leopold-Mozart-Konservatorium, auch bei Helmut Hehl. 


In Augsburg lebte und arbeitete Manfred Blank im Lechviertel und wohnte am Hunoldsberg. Manchmal sah man ihn auch im Schallplattennladen Cover, oder als Krimi-Autor Peter Garski. Er engagierte sich für homosexuelle Menschen, auch bei den Grünen und bei der jüdischen Gemeinde. Die letzten Jahre ist die jüdische Kopfbedeckung Kippa bei ihm ein festes Kleidungsstück.




 Wir sprachen mit Manfred "Mani" Blank, was er nun so denkt, macht und fühlt ...

Frage: Hallo Mani, wir haben gehört, du ziehts nach langer Zeit aus Augsburg wer. Was ist der Grund dafür?

Manfred Blank: Ich habe nach vielen Jahren herausgefunden, wo ich wirklich Freunde habe.Und hier in Augsburg sehe ich für mich auch musikalisch keine Perspektive mehr. In meiner Heimatstadt sieht das ganz anders aus.

Frage: Was hat dir in Augsburg besonders gut gefallen? Was wirst du vermissen?

Manfred Blank: Tja, schwierig ... die ersten Jahre hier waren recht schön. Es gab in den 1970ern viele gute Veranstaltungsorte (Big Apple, Clichy), in denen zu erschwinglichen Eintrittspreisen Spitzenbands wie UFO, Scorpions, Renaissance usw. gespielt haben. Aber vom jetzigen Augsburg werde ich kaum etwas vermissen. 

Frage: Was hat dir in Augsburg nicht gefallen? Was wirst du mit Freude hinter dir lassen?

Manfred Blank: Augsburg ist und bleibt provinziell. Nichts gegen Provinz, manchmal ist da viel los. In Augsburg leider nicht. Mit Freuden lasse ich die falschen Freunde hinter mir, die mich links liegengelassen haben, wenn ich nicht mehr nützlich war ... 

Frage: Aber ein paar gute Erinnerungen hat du doch an unser schönses Augsburg, oder?

Manfred Blank: Es steht schon einige Monate fest, dass ich wegziehen werde. Aber ich habe NIEMAND gefunden, der mir z. B. bei der Wohnungsauflösung oder beim Beladen des LKW geholfen hätte. Eigentlich sollte es einigen Leuten peinlich sein, dass jetzt für meinen Umzug extra 10 Leute aus meiner Heimat (800 km entfernt) anreisen, die den LKW beladen und fahren ...

Frage: Schildere doch kurz deinen Werdegang in der Augsburger Musik-Szene. Welcher deiner Bands hätte eine größere Chance haben sollen? Was meinst du generall zur Augsburger Musikszene und ihre Musiker? Nimm kein Blatt vor den Mund.


Manfred Blank: Den Einstieg in die Musikszene hier fand ich mit experimentellen (und kurzlebigen') Gruppen wie MONOPOL, SOMA, und SALBEI. 1975 traf ich den GI Micheal (ja, der Name ist richtig geschrieben') Price. Wir spielten eigene Songs und Material von CSN, James Taylor, Jackson Browne usw.. Es gab zwischen 1975 und 1977 viele Auftritte in Augsbug (Grauer Adler, Thing, Thorbräu, Giorgio, Abraxas (in der Schäfflerbachstraße)) und im Umkreis bis nach Ulm im "Sauschdall". Von 1976 bis 1982 spielte ich mit einer kurzen Unterbrechung als Bassist bei "Mephisto". Es folgten "Gastspiele" bei der "Standard Rockband", bei "Manalishi" und bei den "Red Boys". 

Frage: Sehr rührig gewesen, der Herr. Sonst noch was?

Manfred Blank: Daneben gab es auch noch das Folk-Duo "Troubadix" mit dem Iren Jerry Feeley. Danach konzentrierte ich mich für eine Weile auf Computermusik und experimentelle Musik. Ab 1992 gab es eine Neugründung von "Mephisto", die bis 1994 hielt. Es folgten "Timebreakers" (1996/97), "Reese" (1997/98) und von 1997 bis 2002 "WAXX". Daneben spielte ich von 2000 bis 2011 bis zum Tod des Bandgründers bei "Bud Hennessie" in seiner Countryband, mit der wir es bis auf Platz 2 der deutschen Internet-Countrycharts schafften. Ab 2006 spielte ich bei der jüdischen Musikgruppe "Schtetele" (nein, kein Klezmer, sondern Lieder aus jüdischen Ghettos und Schtetel). Mit "Schtetele" absolvierte ich nach Erscheinen der CD eine erfolgreich Tournee durch ganz Deutschland. Nachdem diese Formation sich 2009 aufgelöst hatte, fand ich leider keine neue Band mehr.

Frage: Wie siehst du beim Abschied die gesamte Augsburger Kultur-Szene?

Manfred Blank: Es fehlt - wie überall - am Zusammenhalt in der Szene.

Frage: Was würdest du in Augsburg verändern, wenn du könntest?

Manfred Blank: Die Mentalität einiger Leute.

Frage: Welche Leute willst du noch grüßen, bevor du von hier abhaust?

Manfred Blank: Hier? Nur wenige. Warum soll ich Leute grüßen, die mich links liegenlassen?

Frage: In welche Stadt wirst du nun ziehen und was gefällt dir an dieser?

Manfred Blank: Ich ziehe zurück in meine Heimatstadt Cuxhaven. Dort habe ich viele Freunde, dort gibt es, obwohl CUX nur 48.000 Einwohner hat, 4 (!) Live-Kneipen, 2 große Festivals im Jahr und eine gute Musikszene. Da kann ich mich einbringen, wieder in Bands spielen ...
Manfred "Mani" Blank 2014.
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Lieber Mani, wir danken dir für das Gespräch und wünschen dir alles Gute für die Zukunft!
 


Warum?

Augsburgs Spanier trauern heute. Läden dicht. Warum wohl?