Sonntag, 12. Mai 2013

Juhu oder igitt? Die gute Pute? Da schmeckt die Putenwurst und das Putenschnitzel gleich viel besser, äh, oder viel schlechter?

Eine romantische Reportage von einer netten Putenzucht-Farm in Gablingen zum Muttertag:
(Leicht verändert übernommen von der SPD-Augsburg bei einer Besichtigung, die von den Augsburger Grünen organisiert wurde)


Auf dem Parkplatz der Gablinger Putenfarm wurden die Augsburger Besucher von Klaus Dieter Bittner, dem Inhaber der Gablinger Putenzuchtfarm, freundlich erwartet. Selbstbewusst berichtete er, dass der Betrieb von ihm alleine aufgebaut wurde, mittlerweile habe er fast 20 Beschäftigte. 

Bittner legt nach seiner Aussage Wert auf bestmöglichen Tierschutz und stelle sich auch gerne kritischen Fragen. 

Auf der gesamten Bittner-Anlage war weit und breit kein freilaufender Truthahn zu sehen. Die gesamte 16-wöchige Produktion verläuft in überdachten Hallen.

Die erste Besichtigungs-Station war eine Aufzuchthalle mit neun Tage alten Putenküken, die durch einen Tiertransport von einer über 100 Kilometer entfernten Brüterei angeliefert werden. 

Sie hätten genügend Platz in der mit Holzspänen frisch gestreuten Halle, sagte Bittner. Zudem sei für die Küken eine Fußbodenheizung installiert. 

In der Halle selber gab es weder Sonne noch Tageslicht. Es war daher verständlich, dass die Küken beim Öffnen der Tür nach draußen wollten, einigen gelang auch eine kurzzeitige Flucht an die frische Luft. Auffällig waren die blutunterlaufenen Schnäbel. 


Hofinhaber Bittner erklärte, dass der obere Teil des Schnabels der Tiere gleich nach dem Eischlupf mittels Laser amputiert wurde, um die Küken den Haltungsbedingungen anzupassen. 

Ob die Küken dabei Schmerzen erleiden müssten, konnte nicht beantwortet werden. 

Der Veganer Roland Wegner, ein Augsburger Stadratskandidat, der auch zu den Besuchern gehörte, hielt hier dem Inhaber das selbstrecherchierte Beispiel vor Augen, dass bei freilaufenden Puten die Schnäbel nicht gekürzt werden müssen.

Dies wurde vom Betreiber bestätigt, allerdings wäre diese Form der Tierhaltung für ihn wirtschaftlich unrentabel.

20 Zentimeter über dem Boden verlaufen Futterrohre, darüber ist ein feiner Draht gespannt, damit die Tiere sich nicht draufsetzen können. 

Angesprochen darauf, dass Puten ja eigentlich Baumvögel (Anmerkung: sie sitzen nachts auf Bäumen oder Stangen) seien und in den Ställen keine Stangen zu sehen sind, erhielten die Teilnehmer folgende Antwort: „Sitzstangen haben für mich als Fleischproduzent den Nachteil von Mehrarbeit. 

Die Puten würden dann häufiger auf die  Stangen scheissen. Bei Bittners System verteilt sich der Puten-Kot gleichmäßig in der Aufzuchthalle, gemistet wird erst nach der Ausstallung. 

Im Übrigen ist Bittner der Meinung, dass sich die Tiere ganz gut an die vorgegebenen Gegebenheiten anpassen können und dadurch erhöhte Sitzgelegenheiten nicht besonders vermissen."

Statt Antibiotika erhalten die Puten der Gablinger Zuchtfarm alle zwei Wochen Sprühimpfungen, die letzte drei Wochen vor der Schlachtung. 

Der Impfstoff gelangt so ins Blut. Klaus Dieter Bittner konnte die Frage nicht beantworten, ob sich der Impfstoff auch im Fleisch ablagert: "dafür müsse man wohl die Wissenschaftler fragen".

Trotz regelmäßiger Impfungen und ausreichendem Platz hat Bittner pro Woche einen Verlust von drei bis fünf Tieren, die auf der Gablinger Putenfarm vorzeitig verenden. 

Man kann sich die toten Tiere ausrechnen: Im Jahren wären das um die 250 toten Puten als Opfer der Zucht.


Da auf allen Werbeträgern der Bittner-Farm die Aufschrift „Getreideputen aus Gablingen“ steht, schauten sich einige Besucher das Puten-Futter genauer an und stellten zu seiner Überraschung fest, dass es sich um eine bunte Futtermischung handelte, die nicht nur aus Getreide bestand. 

Damit konfrontiert gab Klaus Dieter Bittner zu, dass auch importiertes Soja verfüttere. 

Bittner erklärte, dass er sich bisher nicht dafür interessiert habe, woher das Soja stamme und ob es genverändert sei, was bei den Teilnehmern für irritierte Blicke sorgte. 

Nochmals auf den vertrauenserweckenden Werbeslogan „Getreideputen aus Gablingen“ angesprochen, entgegnete Bittner, dass dies rechtlich in Ordnung sei und er diesen Spruch aus marketingstrategischen Gründen gewählt habe. 

Für diese Bezeichnung würde es rechtlich gesehen ausreichen, wenn das Futter 50 Prozent Getreide enthält. Er mischt zum Getreide eine industriell gefertigte eiweißhaltige Futtersubstanz, die eben auch Soja enthält. Den Ackerbau für das Getreide lässt der Tierhalter von im Dorf ansässigen Landwirten verrichten.

Schlachtreif sind die Tiere bei dieser Art der Tierhaltung nach vier Monaten, was im Verhältnis zur biologischen Lebenserwartung von 10-15 Jahren eine sehr kurze Zeit ist. 

Getötet werden die Puten nur unweit ihres letzten Stalles, was stressige Tiertransporte entbehrlich machen. Sie werden lebendig mit den Beinen bzw. an den Flügeln aufgehängt und zur Betäubung durch ein Strombad gezogen, danach geköpft, um ausbluten und sterben zu können.

Die Schlachterei wollte und konnte nicht besichtigt werden.

Fazit des Putenhalters: Solange das Kauf- und Essverhalten der Menschen und die Gesetzeslage unverändert bleiben, wird er auch sein System der Putenfleischerzeugung nicht verändern. Wenn er nicht mehr in dieser Form produziert, tun es andere Mäster.

Dem stimmten auch die Besucher zu, die insgesamt drei Ställe und die Schlachthalle besichtigten. Im Anschluss wurden die Teilnehmer noch zu einem Imbiss eingeladen, was nach der Führung aber nicht jeder in Anspruch nahm.

Roland Wegner, der sich als Veganer outete, der als SPD-Kanidat in den nächsten Augsburger Stadtrat kommen will, sieht nach diesem Besuch die Bestätigung: dass das Bewusstsein der Menschen über ihre überwiegend industriell gefertigte Ernährung verbessert werden müsse. 

Wegner, der auch sportlich sehr aktiv ist, will sogar erreichen, dass bei städtischen Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Altenheimen, Krankeneinrichtungen und Kantinen einen Veggieday eingeführt. Also ein Tag ohne Wurst oder Fleisch beim Essen. Was natürlich auch für sämtliche Produkte aus dem grausam erzeugten Putenfleisch gilt.

Auch die Parteien selbst, so Wegner, sollten mit gutem Beispiel vorangehen und das pflanzliche Angebot bei ihren Veranstaltungen erhöhen.

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Unsere ukrainische Putzfrau meint: "Diese Reportage entstand bei einem Putenzüchter, der sich seine Farm teilweise der Öffentlichkeit zu präsentieren traut. Wie dubios und schlimm gehts dann erst auf den Tierzuchtfarmen zu, die von der Öffentlichkeit nicht betreten werden dürfen?"