Donnerstag, 24. März 2016

Noble Armut

Was kommt in das leere August-Restaurant in der Frauentorstraße?

"Mehr Restaurants für Arme in Augsburg" hat Sozialreferent Stefan Kiefer gefordert. Das hat nun auch das Ohr des Nobelkochs Christian Grünwald erreicht. Er hat sein Lokal "August" in der Frauentorstraße verlassen und stellt es der Augsburger Tafel als Armen-Gasthaus zur Verfügung, wo einfach zubereitete Speisen mit abgelaufenem Datum an die Besitzlosen unserer Stadt serviert werden.

August-Koch Grünwald, der mit seinen experimentellen Speisen der einzige Sterne-Koch gegenwärtig in Augsburg ist, früher waren es Albert Oblinger und Franz Fuchs (Cheval Blanc), begnügt sich nun mit einem kleinen Restaurant in der Haag-Villa, die den Stadtwerken Augsburg gehört. Als Küchensklaven soll er dort erwischte Schwarzfahrer bekommen, denn seine Lebensgefährtin kann als Küchenhilfe ja nicht alles stemmen, was sich der Gourmet-Guru in der noblen Villa im Park beim Jakober Tor für seine dekadenten Gäste so ausdenkt.

"Grünwald lässt für den neuen August in der Haag-Villa gerade zehn große, gläserne Leuchttische bauen, die dieses archetypische Lagerfeuer symbolisieren sollen. Jeweils vier Leute sollen daran Platz finden, es gibt eine Schublade, in der einzelne Bestandteile des Menüs bereits auf die Gäste warten. Man sitzt auf Gründerzeitstühlen mit einem Hightech-Bezug, nicht mehr als zwölf bis 16 Gäste pro Abend wird es geben", berichtet voller Ehrfurcht der SZ-Reporter Franz Kotteder.



Wir wissen aber nicht, ob dann auch die Stadtwerke-Mitarbeiter das behaagliche August bei Grünwald als Kantine benutzen dürfen, oder ob da dann nur Augsburgs höchste Spitzen wie Dr. Kurt Gribl, Gerd Merkle, Stefan Kiefer, Eva Weber, Walter Kurt Schilffarth, Herman Weber, Ulrike Bahr, Claudia Roth, Volker Ullrich, Bernd Kränzle, Reiner Erben, Johannes Hintersberger und die Stadtwerke Chefs Casazza und Alfred Müllner dort womöglich kostenlos Gurken-Marshmellow / Schwarze Salzackerkartoffel / Bouillabaise als Schaum / Sepia, Garnele, Herzmuschel, Langustine roh & Felsenrotbarbe / Olivenölkaviar/ Limone & Brebis  und Reblochon "geeist" samt sauren Melonensticks schlemmen dürfen.

Unsere Kollegin, die mächtige, kluge, soziale und hübsche AA-Verlegerin, Alexandra Holland, hat das allerdings nicht nötig, sie hat nun im Ellinor-Holland-Haus beim Glaspalast ein eigenes Restaurant für Geringverdiener und noch Ärmere.

"Mir ist es ein Rätsel, wie mit den paar Gästen der Grünwald die Miete in der Villa zahlen will", denkt ein Experte über die Zukunft des Augsburger Sterne-Kochs nach. "Womöglich muss er auch bald bei der Augsburger Tafel anstehen und sich mit den Resten aus den Supermärkten zufrieden geben."

Unsere ukrainische Putzfrau, die sich meistens von rohen Kartoffeln ernährt, meint dazu: "Der Grünwald wird die Stadtwerke aussaugen, wie einst diese Haag seine Arbeiter aussaugte um in der Villa prassen zu können."