Sonntag, 24. Juli 2022

Muss Murksle in die Baum-Therapie?

Axtmann Murksle vernichtet seine Feinde, die vielen Bäume vor dem
Augsburger Hauptbahnhof.

Wenn Bäume krank machen ...


Menschen, die in Gegenden geboren werden und aufwachsen, in denen es keine Bäume gibt, wie am Nordpol oder in der Sahara, entwickeln seltsame Krankheitssymptome, wenn sie bei uns in Wälder oder Städte mit Alleestraßen und Plätzen mit Bäumen kommen. Diese Situation löst bei ihnen bisweilen traumatische Ängste vor den mächtigen Stämmen mit den dunklen, grünen Kronen aus.

Diese Menschen meiden diese Bereiche, machen einen Bogen um die Bäume und berichten von der Angst, unversehens gegen einen Baum zu laufen, oder von einem fallenden Baum erschlagen zu werden. Da sie ja die Wurzeln nicht sehen, die den Baum im Boden verankern, meinen sie, dass der Stamm mit der gewaltigen Krone ohne schweres Gegenstück auf dem Boden, so wie bei einer Stehlampe vorhanden und sichtbar, jederzeit umzukippen droht. Diese Angst lässt sich meist nur durch viele Gespräche auf der Couch mildern, völlig heilbar scheint sie jedoch nicht.

Aber auch bei uns gibt es vereinzelt Menschen, die an diesem „timor arboricus“ leiden, wie die Wissenschaft diese Erkrankung nennt. Wie kann es aber bei uns zu diesem Baumkoller kommen?

Überstundenkönig Murksle vor
bedrohlichem Baum. Wir sehen
das Entsetzen in seinem Gesicht. Kann eine
längere Therapie helfen?

Auf den Kopf gefallen?

In der Therapie, wo ja die Tiefen der Seele ausgeleuchtet werden und Verdrängtes aus dem Unterbewussten ans Licht kommt, berichten diese tragischen Menschen immer wieder von frühkindlichen Erlebnissen mit Bäumen: beim Schlaf im Kinderwagen und im Schatten eines Baumes ist ein großer Apfel dem Kind auf den Kopf gefallen. Der Schreck bleibt ein Leben lang erhalten. Auch wenn ein Kind wegrennt, gerufen wird, sich umdreht und dabei einen Baum übersieht, gegen dessen Stamm es mit voller Wucht mit der Stirn anrennt. Kopfweh und Gehirnerschütterung tun dann das ihre, um die Krankheit auszulösen. 

Offiziell Bäume umsägen

Für diese Menschen werden Bäume zeitlebens zum Trauma, sie versuchen Bäume aus ihrem Umfeld fernzuhalten oder sie zu beseitigen. Oftmals wählen sie Berufe, in denen es ihnen möglich wird, ganz offiziell Bäume zu umzusägen. Holzfäller ist dabei eine gerne gewählte Tätigkeit. Man kennt das ja von der Feuerwehr, wo immer wieder auch Pyromanen ein Auskommen finden. Bei Akademikern trifft man vor allem unter den Architekten Menschen mit einem fast pathologischen Baumtrauma. Indem sie hauptsächlich mit Bäumen bestandene Flächen mit ihre Bauten von der krank machenden Last befreien, tragen sie mit jedem Hebauf gleichzeitig auch zur eigenen Heilung bei.

Bei Architekten besonders verbreitete Krankheit

Schlimm wird es allerdings, wenn solch ein kranker Architekt über eine Verwaltungstätigkeit Macht über viele Bäume bekommt. Geschickt lancieren diese Menschen Projekte, bei denen möglichst viele Bäume für eine angeblich fortschrittliche Lösung fallen müssen. Wie verbreitet diese Krankheit bei den Architekten ist, zeigen die Ergebnisse von Wettbewerben, über die dann die Beseitigung der Bäume von Preisrichtern abgesegnet werden, die selbst ebenfalls Architekten sind. Diese Erkenntnisse der neueren psychologischen Forschungen erklären vielleicht auch, weshalb Herr Murksle seit Jahren mit großer Energie und Penetranz Augsburgs Innenstadt von Bäumen befreit: Über geschickt arrangierte Wettbewerbe mit ahnungslosen Politikern im Preisgericht ist es ihm gelungen am Königsplatz und in der Halderstraße wohl an die hundert Bäume zu beseitigen. 

Augsburgs geschundene und gekillte Bäume meinen: "Ein Albtraumpaar!"

Schmuddelige Granitplatten bevorzugt

Auch für die Fuggerstraße ist eine ähnliche Entwicklung geplant. Rund ums Theater wurden alle Bäume gefällt, auch für den fensterlosen Bücherturm an der Staats- und Stadtbiblitohek mussten vorab die Bäume „weichen“, wie die Presse das abgemildert nennt. 

Murksles jüngster Baumkill-Versuch betrifft den Bahnhofsplatz und die Bahnhofstraße. Begründet werden diese Maßnahmen von ihm mit der Notwendigkeit überall die teuren und stark schmuddeligen Granitplatten zusammen mit trostlos technoiden Rohrleuchten zur Rettung des Einzelhandels einbauen zu müssen. 

Unbezahlte Überstunden

Nachdem eine als Nacht-und-Nebel-Aktion für Anfang des Jahres geplante Großfällung noch rechtzeitig erkannt wurde und durch Bürgerproteste dann verhindert werden konnte, hat er jetzt diese Fällaktion infam in ein Gesamtpaket verpackt dem Stadtrat für die letzte Sitzung vor der Sommerpause zum Beschluss untergejubelt. 

Dass es angesichts des Klimawandels absolut undenkbar ist, in den überhitzten Städten an einem Platz 30 bis 40 Großbäume einfach zu vernichten, stört diese kranken Menschen nicht. Sie folgen blind ihrem Wahn und machen sogar unbezahlte Überstunden, einzig um ihr Ziel zu erreichen. Das alles ist aber nicht strafbar, auch Schadensersatz wird man wohl kaum zugesprochen bekommen, wenn der Gutachter vor Gericht den Täter in Bezug auf Bäume für nicht zurechnungsfähig befindet. Statt ins Gefängnis sollten sie in Behandlung – auf die Couch, noch vor dem Ruhestand.

Sonntags-Bildla

  Dieses Gebäude am neuen Kö droht einzustürzen. Der Leuchtspargel zeigt deutlich, dass sich das Gebäude nach Westen neigt. Neues affenstark...