Montag, 21. November 2016

Der Marotten-Mann

Beunruhigende Buchstaben
Lydia Daher präsentiert "Kleine Satelliten".

Der Augsburger Verlag Maro von Benno Käsmayr war wieder produktiv: Zwei Bücher in kurzer Zeit schmiss er auf den Markt und in die Buchhandlungen. Ein Buch hat die in Berlin - und vor einiger Zeit mehr in Augsburg lebende Lyrikerin Lydia Daher - zu verantworten. Es heißt "Kleine Satelliten". Lydia Daher experimentiert viel. Mal mit Slam, mal mit Gitarre, mal mit arabischer Musik, mal mit Collagen. Jetzt bringt sie ihren Gedichtband "Kleine Satelliten" mit Zeichnungen des Comic-Künstlers Warren Craghead III in Virginia, USA. Dort hat der Zeichner die exklusiv für dieses Projekt komponierten Worte in Bleistiftzeichnungen von eigentümlich schwebender Leichtigkeit verwandelt. "Graphic Poetry" nennt sich das. 
Mit diesem besonderem Buch macht sie jetzt in ganz Deutschland Lesungen.

"Als allen Texten gemeinsam fällt schon beim ersten Lesen ein leicht melancholischer Grundton und ein ineinander verwobenes Ich-Du-Wir auf", kommentiert fixpoetry.

"Der Titeltrack "Kleine Satelliten" spielt am Ufer - möglicherweise -, baut mit Strichästen ein Objekt, in dem der Voodoo-Zauber wohnen könnte, und umreißt plötzlich die Figur eines Fährmanns, dessen Paddel ein Gewehrlauf sein könnte. "Und vielleicht überging ich dich in jenem Traum," bröseln beunruhigend die Buchstaben um diese Gestalt aus dem Unterbewusstsein", schreibt die Süddeutsche Zeitung.

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Diesel trifft Bukowski
Benno Käsmayr vom Maro-Verlag leistet sich Marotten.

Interessant und unterhaltsam ist der Sammelband "Marotte" von Maro. Schönes Wortspiel, denn es handelt es sich wirklich um eine Marotte (eine liebenswerte Spinnerei) des Verlegers Benno Käsmayr, der seine Druckerei vom Bismarck-Viertel, in den Riedinger Park und dann nach Oberhausen umgesiedelt hat. Bei "Marotte" lässt er seine mehr oder weniger bekannten Autoren und ihre Texte Revue passieren. 

Da tummeln sich Gedichte von Charles Bukowski, ein Interview mit Lydia Daher zu ihrem neuen Buch "Kleine Satelliten", zwei Stories von Juliet Escoria, ein Kapitel aus John Fantes »Little Italy«, ein Enthüllung: Barbara Kalender und Jörg Schröder (März Verlag) erzählen, wie sie das erste Mal zu Maro kamen, die Geschichte "Das Hippie-Hemd" von Gerald Locklin aus dem längst vergriffenen Band "Poop", Gedichte von Martí i Pol und Philipp Luidl, Songtexte von Jim Morrison (Doors), ein Essay von Andreas Nohl zu Rudolf Diesels "Solidarismus", die unglaubliche Geschichte, wie Michael Schulte den Handpressen-Chaoten V.O.Stomps besuchte, Augenzeugenberichte von Carl Weissner über Jörg Fauser und das Beat Hotel.

Gestaltet wurde die "Marotte" von StudentInnen der Hochschule Augsburg, betreut von Grafik-Professor Michael Wörgötter. Die freche Umsetzung der einzelnen Beiträge passt wunderbar zu dem bunten Bogen durch unser Verlagsprogramm.

Andreas Nohl, gefragter Übersetzer zum Modernisieren von Klassikern.

B
esonders interessant finden wir natürlich die Beiträge von Autoren die mit Augsburg zu tun haben. Da ist der Übersetzter Andreas Nohl, der immer bekannter wird durch die moderne Übersetzungen von Klassikern wie "Dracula", "Die Schatzinsel" "Das Dschungelbuch" oder "Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn". Nohl macht sich Gedanken über Rudolf Diesel, der in Augsburg einige Zeit zur Schule ging, aber nicht als Erfinder seines Motors, der heutige Autofirmen zu Fälschungen verleitet, sondern über ihn als Sozialreformer, der sich Gedanken über Armut und Reichtum macht.

Bei Jörg Schröder und seiner Lektorin und Lebensgefährtin Barbara Kalender geht es um Augsburg. Der Autor und Verleger von "Schröder erzählt" lässt seine Bücher beim Maro-Verlag drucken. Seine witzigen Erinnerungen an Augsburg und an die dazugehörigen Bürger können wir in "Marotte" lesen. Ist echt lustig, was die so über uns Datschis denken. Einige Jahre lebte das dynamische Duo in Augsburg nicht weit vom Familienbad an der Wertach. In einem Haus im "Lessinghof" des berühmten Bauhaus-Architekten Thomas Wechs. Schröder wurde einst durch seine provokativen Bücher bekannt. Und das ist er auch wenn es um Erinnerungen aus Datschiburg geht.

Schröder und Kalender berichten von ihrer Zeit in Augsburg.