Freitag, 24. Februar 2017

Unsere neue Serie raubt Augsburgs Prominenz den Schlaf!

Alle bisherigen Folgen

Der Fortsetzungs-Roman vor dem alle Augsburg-ViPs und viele andere mächtig zittern

Ein unerschrockener Blick hinter die Kulissen von Augsburg. Ein Oberbürgermeister, der sich dem Wahnsinn nähert. Intrigen, Spannung, Mord. "Echt Augsburg" zeigt diese Stadt und ihre Menschen wie sie noch nie gezeigt wurde.

(Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig)

Nur ein Nichts

(Prolog, Teil 1)

Wahrscheinlich wusste Volkhart Pückler noch im Fallen, dass er den Aufschlag nicht überleben würde. Berufsbedingt - er war Architekt. Hätte er in den 2 Sekunden seines Sturzes noch Zeit für Berechnungen gehabt, hätte er gewusst, dass er mit circa 200 Km/h eine Strecke von 100 Metern hinter sich ließ.Volkhart Pückler, visionärer Architekt, streitlustiger Lokalpolitiker, leidenschaftlicher Nörgler, fiel von der Spitze eines unfertigen Turms, der sich der Form eines Obelisken näherte. 

Während des Fallens schrie er nicht, was nicht zu ihm passte, aber es war ein bekanntes Phänomen, dass jenen, die überraschend stürzen, die Worte fehlten. Pückler schlug auf dem Betonboden auf. Passanten, den Schlaf noch in den Augen, erstarrten. Es war 7 Uhr morgens, der Königsplatz war belebt, Schüler und Angestellte strebten zu den Straßenbahnen, auch Rentner, von denen niemand wusste, warum sie schon wach waren. Schnell bildete sich eine Menschentraube um den toten Pückler, dessen Cowboystiefel trotzig zum Himmel zeigten. Die ersten Schaulustigen machten Aufnahmen mit ihren Smartphones. Die Anderen betrachteten abwechselnd Pückler und die Spitze des Turms, als würde von oben eine Erklärung für den Sturz folgen.

In den ersten Wochen und Monaten nach seiner Wahl schwebte der neue Oberbürgermeister Augsburgs, Karl Hundling, über den Dingen und sah sich selbst erstaunt in seiner neuen Rolle. Noch lächelte er verlegen, wenn er als Oberbürgermeister vorgestellt wurde, noch saßen seine Anzüge nicht gut, aber Hundling wuchs bald in sein Amt hinein. Er genoß es, wenn er unterwürfig begrüßt wurde, auch wenn er ahnte, dass die Unterwürfigkeit seinem Amt galt und nicht ihm, Karl Hundling, Sohn eines Kraftfahrers, mittelmäßiger Schüler, eifriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, passabler Autohändler.

Aber die Ahnung wurde schwächer und Hundling war ein glücklicher Mann. Bis die Ahnung zurückkam. Nach einer ausufernden Stadtratssitzung fuhr Hundling mit dem Rad (er hielt sich fit) durch die schlafende Stadt. Vorbei am Rathaus, die Karlstrasse hoch zum Stadttheater. Er hielt an einer Ampel und wartete als neben ihm ein älterer Mann mit langen weißen Locken, unruhigen blauen Augen und zerschlissenem Anzug stand.

Du bist ein Nichts! Schrie er Hundling anklagend an.

Ein Nichts!

Hundling erschrak. Er kannte den Mann nicht. Kannte der ihn etwa? Aber wenn er ihn kannte, wie konnte er dann sagen, dass er ein Nichts sei? Er war Oberbürgermeister. Es gab in der Stadt nur den einen, er war doch gewiss kein Nichts. Aber wenn der alte Mann ihn nicht kannte, war er dann vielleicht doch ein Nichts? Hundling stieß "Sie spinnen!" hervor und fuhr panisch über die Kreuzung. Er fuhr so schnell er konnte, weg vom alten Mann, nur weg. So groß war der Schreck, dass er ohne Ziel durch die Innenstadt fuhr.

Ein Nichts!

Man sah keine Menschen auf der Strasse. Die Stadt war schwarz, still, trostlos, tot. Hundling fürchtete jetzt die Stille und die Dunkelheit, als würden auch sie ihm zuraunen: Du bist ein Nichts!

Er wünschte sich, dass eine Polizeistreife ihn jetzt anhalten, dass die Beamten aussteigen und zu einer Rüge wegen irgendeines Verstosses gegen irgendeine Vorschrift der Stvo ansetzen würden und ihn in diesem Moment erkennen und alle Strenge fahren lassen und sie durch unterwürfige Jovialität ersetzen würden, denn er wäre der Oberbürgermeister und kein Nichts. 

Aber die Strassen blieben leer.

Irgendwann kam er zuhause an. Er hoffte auf Rettung, auf Licht. Seine Frau Sarah müsste ihn jetzt einfach nur umarmen und er wäre in Sicherheit. Aber sie war nicht da. Natürlich, es war Dienstag, an dem Tag traf sie sich mit den Damen irgendeines exklusiven und alibimäßig wohltätigen Clubs, der sie mutmaßlich nur deswegen aufgenommen hatte, weil ihr Mann Oberbürgermeister war. 

Hundling setzte sich auf das Sofa im Wohnzimmer und schaute im Dunkeln aus dem Fenster. Im Garten standen Bäume, in den Häusern ringsum schliefen ahnunglos die Nachbarn, über ihnen allen funkelten kalt die Sterne. Hundling stand auf, trat ans Fenster, schaute hoch, sah sein Spiegelbild im Glas, betrachtete sich forschend, hoffend und dann lächelte er.

Hundlings Traum

(Teil 2)

Als Hundling in jener Nacht in den Himmel geblickt hatte, war ihm schmerzlich bewusst geworden, wie klein, wie nichtig er war. Im nächsten Moment aber wich der Schmerz einem Glücksgefühl. Er hatte eine Lösung gefunden. Er verdankte sie seinem Nachbarn, der bisher Grund steten Ärgers für ihn und vor allem für seine Frau gewesen war. Denn er besaß nicht nur einen Strip-Club, sondern plakatierte zudem in der ganzen Stadt Werbung dieses Club, der sich, dem eigenwilligen Geschmack seines Inhabers folgend, ganz der antiken Ästhetik hingab. Hundlings Frau geißelte öffentlich die Werbung des Clubs und privat am Frühstückstisch geißelte sie den Protzbau des Nachbarn.

Architektonischer Höhepunkt des Anwesens war eine Art MIniatur-Tempelanlage im Garten. Vier Säulengänge aus hellem Marmor, die sich, flankiert von goldverzierten Aquädukten in einem Brunnenanlage vereinten, in deren Mitte ein zwei Meter hoher Obelisk aus roten Marmor stand, dessen Spitze von einem nackten Engelskind aus Holz gekrönt wurde, in den Händen Pfeil und Bogen im Gesicht ein keckes, siegesgewisses Grinsen. Gewiss, all das war vulgär, aber wenn man den Obelisken für sich betrachtete, wenn man sich die Farbe wegdachte und wenn man sich an Rom und Washington erinnerte, dann konnte man die Möglichkeit von Größe im Kleinen erkennen. Hundling erkannte sie. Er würde sich verewigen. Er würde einen Obelisken bauen. Hundling wusste, dass der Obelisk ein Selbstzweck war. Was ihn ebenso rechtfertigte wie jede andere Form, solange sie Eindruck machte, solange der Traum groß und die Welt klein blieb.

Der Obelisk brauchte gleichwohl einen offiziellen Sinn, der den Anforderungen des Alltags standhielt.

Hundling saß in den nächsten Tagen und auch in den Nächten oft und lange in der Dachkammer und grübelte. Er hegte seine Idee, er behütete sie ängstlich. Seine Frau konnte er, zumal in diesem Stadium, nicht einweihen. Mit dem untrüglichen lebensklugen Sinn der Frauen hätte sie seine Idee zerpflückt. Hätte mit Empörung in des Nachbars Garten gedeutet. Hätte angeführt, was das alles kosten würde. Was Opposition und Presse sagen, wie sich die innerparteilichen Gegner auf ihn einschießen, ihn als größenwahnsinnig verspotten würden. Deswegen schwieg Hundling. Es war fast, als würden zwei Hundlinge in seinem Kopf miteinander streiten.

Der alte Hundling, ein rechtschaffener Bürokrat, hätte über die Idee eines Obelisken humorlos den Kopf geschüttelt. Doch der neue Hundling, der wie ein rastloses, wildes Kind in seinem Kopf heranwuchs, verliebte sich in den Obelisken. Und mit der Größe seiner Träume, wuchs leise aber beständig der Wahnsinn in Hundlings Kopf.

Das Treffen

(Teil 3)

Dennoch musste Hundling reden, wenn sein Denkmal kein Tagtraum bleiben sollte. Er suchte in Gedanken nach klugen Ratgebern, die Sinn für den großen Wurf hatten. Er fand nicht viele. Wäre er ein mittelalterlicher König oder auch ein mittelgroßer Diktator der Gegenwart gewesen, wäre seine Idee Gesetz.

Er würde befehlen zu bauen und seine Lakaien würden bauen. Hundling war jedoch Demokrat. Zum seinem engsten Beraterkreis gehörten sein persönlicher Referent Frank Grau und sein Wahlkampfmanager Thomas von Mettbach. Er griff zum Telefon.

An einem Regentag trafen sich die Drei wo sie sich immer trafen, wenn sie ungestört reden wollten: Im Zoo. Es regnete, Hundling wartete im Lodenmantel und Schirm bei den Löwen. Er war ein großer Mann mit großen, kräftigen Händen und schmalen, klugen Augen.

Er begrüßte sein Gegenüber immer mit einem kräftigen Händedruck, schaute ihm dabei lange freundlich und forschend in die Augen und ließ die Hand nie als erster los. Hundling betrachtete die Löwen. Sie lagen faul in ihrem Haus. Hatten genug zu essen, waren träge, gähnten, standen manchmal auf und schlenderten umher. Sie mussten sich nicht beeilen, sie waren Könige. 

Er seufzte. Neben ihm ein Räuspern. Von Mettbach hatte sich konspirativ angezogen. Statt eines ausgefallenen Anzugs trug er eine Regenjacke, Base-Cap und Jeans. Er war zwei Köpfe kleiner als Hundling, so wirkte es immer unterwürfig, wenn er zu ihm aufblickte und mit ihm sprach.

- Fips wartet bei den Affen, flüsterte Mettbach nervös.

Hundling nickte. Mit Fips war Frank Grau gemeint, der seinen Spitznamen in seiner Zeit als lokaler Fitnessguru bekommen hatte und Wert darauf legte, dass dieser nicht in Vergessenheit geriet. 

Sie gingen zu den Affen. Fips war so groß wie Hundling dafür weitaus schmäler und trug statt einer Halbglatze, wie Hundling, einen Topfhaarschnitt mit keckem Pony in der Stirn.

Surprise!

(Teil 4)

- Ich will einen Turm bauen, oder wahrscheinlich einen Obelisken sagte Hundling.

- Einen Turm, oder Obelisk?, fragte Grau.

- Ja, meinte Hundling lächelnd und schaute den Affen zu, die sich lausten und um Futter stritten.

- Ein Turm ist schön, sagte Grau zögernd.

- Ich glaube ich weiß, was du meinst, Karl. Die Idee ist wirklich toll. Da kann man was mit machen. Stadt ... Turm ... Zukunft. Sloganmässig finde ich das sehr gut, aber das mit dem Obelisken ist nicht so ganz ideal, glaube ich, fügte Mettbach hinzu.

- Warum denn? Die Form ist doch wunderschön, in Rom und Washington stehen auch Obelisken, wandte Hundling ein.

- Oh, ja das stimmt, und wunderschön sind die auch, ganz klar, aber da stehen die Obelisken ja auch schon sehr, sehr lange. Das haben ja nicht Berlusconi oder Trump in Auftrag gegeben, und hinzu kommt: Ein Obelisk lädt zu Wortspielen und Spott ein. Da würde ich ganz spontan sagen, dass eine Schlagzeile kommt mit dem Wortspiel: Der OB-lisk. Verstehst du, Karl? Da unterstellt man dir gleich Selbstverliebtheit, auch wenn wir alle wissen, dass du ganz sicher nicht selbstverliebt bist, oder Frank?

- Nie gewesen, bestätigte Grau.

- Der OB-lisk, sagte Hundling versonnen, und wiederholte das Wort als würde er es liebkosen: Der OB-lisk von Augsburg!

Mettbach und Grau sahen ihn besorgt an.

- Ja, Karl, also, was ich meinte war, dass ein Obelisk natürlich etwas Tolles ist, das wird dir jeder sagen. Das muss aber eben auch argumentativ untermauert werden, nur über die phallische Emotion glaube ich, würde es Probleme mit der Vermittlungsebene geben.

Hundling blickte auf, sah Mettbach an und lächelte.

- Aber dafür gibt es doch euch, dass ihr das den Menschen erklärt.

- Ja, das stimmt, Karl, dafür gibt’s uns und wir machen das auch unheimlich gern und erfolgreich, aber so surprise-surprise-mässig kann man das nicht angehen. Also im Sinne von: Leute, wir bauen einen riesigen Obelsiken mitten in der Stadt auf und was der Zweck ist, erklären wir euch dann bei der Eröffnung.

Hundling lächelte in sich hinein, kramte in seiner Tasche, zog eine Erdnuss hervor und warf sie den Affen zu.

- Doch, doch, Du und Fips, Ihr macht das für mich. Surprise.

Mit diesen Worten erhob sich Hundling, schaute in die Ferne und ging ohne Abschied in die Richtung der Tiger. Grau strich sich nachdenklich sein Pony aus der hohen Stirn, schaute Mettbach an und wiederholte nachdenklich : Surprise, Surprise.

An der richtigen Stelle packen !

(Teil 5)

Nachdem Oberbürgermeister Hundling bei seinen Ratgebern nur wenig Begeisterung mit seiner Idee eines Obelisken hervorruft sucht er sich einen neuen Verbündeten: Den mächtigsten Mann der Stadt.
Es war Montag morgen. Hundling war unkonzentriert, dabei musste er gerade jetzt bei Sinnen sein. Nachts hatte er abermals die Skizzen des Obelisken überarbeitet und war darüber eingeschlafen. Unrasiert saß er nun in seinem Büro und hatte nur noch wenige Minuten bis Wolfram Meinl eintraf, der vielleicht mächtigste Mann der Stadt.

Vor zehn Jahren hatte ein glücklicher Zufall den hoffnungslos verschuldeten örtlichen Fußballverein mit Meinl zusammengeführt. Der suchte, nachdem er seinen Konzern, den größten Desinfektionsmittelproduzenten Europas, verkauft hatte mit Mitte 60 und 200 Millionen auf dem Konto nach einem neuen Hobby. Er fand es. Er finanzierte den Verein, er machte ihn groß, führte ihn in die erste Liga. Er hatte ein aufregendes Spielzeug gefunden und widmete sich diesem mit Hingabe. Hundling hatte einen vagen Plan geschmiedet. Wenn er Meinls Ehrgeiz für seinen Obelisken anzapfen, ihn als Geldgeber für sein Projekt gewinnen könnte, bräuchte er womöglich keine Genehmigung vom Stadtrat und Geld aus der Landeshauptstadt ebensowenig.

Er müsste Meinl nur an der richtigen Stelle packen. Aber genau das war das Problem. In der Nicht-Öffentlichkeit erzählte man sich, dass Meinl immer eigenartiger wurde. Er schrieb jetzt Bücher, befasste sich darin mit den großen Problemen der Welt, sah Gefahren, wo sie die intellektuellen Schwätzer der Zeitungen nicht erkannten und erkannte zugleich, dass die Gefahren, die in der Presse jeden Tag heraufbeschworden wurden eine Mixtur aus Unwissenheit und bösem Willen waren. Er lobte den russischen Präsidenten für dessen weise Politik, er verteidigte den syrischen Herrscher Asad als Garant der Stabilität, warnte eindringlich vor einer Machtübernahme Sarah Wagenknechts die, er wusste es, bald Kanzlerin sein könnte.

Er wusste auch, dass in den Kühlschränken der Menschen unzählige Bakterien lauerten, die sie um Jahrzehnte ihres Lebens berauben würden. Er mahnte, er apellierte, er klagte, er schrie, aber, obschon er wissend war, hörte keiner auf ihn, ja man sabotierte ihn. Er hatte vorgehabt vor einem Spiel des Vereins eine Ansprache an das Publikum im Stadion zu halten, er wollte sie warnen, er wollte sie aufklären, ihnen die Augen öffnen und danach vielleicht noch ein Lied anstimmen, aber die Verantwortlichen des Vereins hatten ihn listig daran gehindert.

Die Lautsprecheranlage sei zwar nicht gerade defekt, aber doch schlecht, sehr schlecht in Schuss, man würde ihn nicht richtig hören. Aber während des Spiels funktionierte sie dann einwandfrei und Meinl war wütend aus dem Stadion gerannt und hatte sich geschworen, dass man ihn bald hören würde, nicht nur im Stadion. Jenen Meinl wollte Hundling nun für seinen Plan gewinnen. 
Es klopfte an der Tür.

An der richtigen Stelle packen !

(Teil 6)

Die Chefsekretärin, Frau Englert, führte den Besucher herein. Hundling war immer wieder überrascht, wenn er Meinl sah, der nichts an sich hatte, was vermuten ließ, dass er reich war. Er trug einen langen, dick gefütterten Anorak, ausgewaschene Jeans, Turnschuhe, in den Händen hielt er Einkaufstüten von NORMA und lächelte Hundling wissend an. War dieses Lächeln taktisch? Wusste Meinl, dass Hundling etwas von ihm wollte? Aber letztlich wollte doch jeder etwas von Wolfram Meinl, deswegen lächelte er wahrscheinlich so überlegen.

In den Jahren als Unternehmer hatten sich die normalen Menschen immer mehr in kleine Gestalten verwandelt, auf die er hinabblickte, hinabblicken musste, denn es gab nur wenig, was Menschen so sehr voneinander schied, wie der Reichtum. Ein Multimillionär konnte ehrlicherweise und unbefangen nicht mit einem Geringverdiener befreundet sein und nach dem Maßstab Meinls waren 99% der Menschen Geringverdiener.

Ein wenig ging es Hundling ja auch so. Er war das Stadtoberhaupt, hatte Macht, andere Macht als Meinl, aber doch Macht und ahnte, dass diese Macht ihn von den Menschen entfernte. Aber wer verehrt werden wollte, musste den Menschen fern bleiben, und sowohl Meinl als auch Hundling sehnten sich seit ihrer Jugend danach, dass man sie verehrte.

Meinl blieb mitten im Büro stehen, bewegte sich nicht auf Hundling zu, war es gewohnt, dass man ihm entgegenkam. Er wirkte jetzt sehr alt, fast zerbrechlich. Von außen musste es aussehen, als hätte sich ein listiger Obdachloser in die Amtsräume des Oberbürgermeisters geschlichen und wartete nun, wie das Stadtoberhaupt auf den ungewohnten Besucher reagieren würde.

Aber auch Hundling kannte die Techniken der Macht. Er eilte nicht auf Meinl zu. Schien auch nicht überrascht. Er versuchte, nicht zu auffällig auf die Einkaufstüten zu schauen, in denen, er erkannte es jetzt, dicke Aktenordner verstaut waren.

Hundling lächelte freudig, ging dann doch auf seinen Besucher zu und streckte die Hand aus. Meinl ließ eine Tüte sinken und reichte ihm die Rechte.

Langer Händedruck.

Meinl hatte kräftige, beinah aufgeschwemmte Hände und trockene Haut, seine Haare waren dünn und farblos, aber die Augen waren wach und er war es gewohnt, dass man ihm zuhörte, eifrig nickte, über seine Scherze lachte, folgte. Hundling standen anstrengende Minuten bevor.


(Ähnlichkeiten mit lebenden Personen in Augsburg wären rein zufällig)
Fortsetzung folgt!