Augsburgs neuer Dresscode für die politische Parität
In der schwäbischen Metropole Augsburg weht seit der jüngsten Wahl ein frischer, wenn auch modisch gewöhnungsbedürftiger Wind durch die prunkvollen Flure des Rathauses. Die nackten Zahlen der neuen Stadtregierung sprechen nämlich eine eindeutige, recht maskuline Sprache. Da die Frauenquote im Kabinett derzeit eher an die Besetzung eines Bergsteigervereins aus den 50er Jahren erinnert, greift Oberbürgermeister Dr. Florian Freund nun zu einer Maßnahme, die das Stadtbild nachhaltig prägen wird.
Um das optische Ungleichgewicht der Geschlechter kurzerhand wegzulächeln, hat das Stadtoberhaupt eine ebenso pragmatische wie textile Anweisung herausgegeben. Die Mitglieder der neuen Stadtregierung sind ab sofort dazu angehalten, im wöchentlichen Wechsel zwischen klassischer Herren- und Damenbekleidung zu rotieren.
Wer am Montag noch im strengen Zwirn über dem Haushalt brütet, darf am Dienstag im floralen Sommerkleid die nächste Ausschusssitzung bereichern. Es ist ein kühner Plan, um die visuelle Vielfalt in der Bert-Brecht-Stadt zu erhöhen, ohne auf langwierige Nachnominierungen warten zu müssen.
Man stelle sich vor, wie die Herren Referenten Frank Pintsch, Steffen Kercher, Roland Barth und Martin Schenkelberg in fließenden Stoffen über den Rathausplatz schreiten, während die Krawatte im Schrank bleibt.
OB Dr. Florian Freund will sogar im Ballett-Outfit ab und zu erscheinen.
Das ist wahre Bürgernähe. Schließlich wusste schon der große Bert Brecht, dass der Schein oft mehr zählt als das Sein. Wenn die politische Realität schon keine Parität hergibt, dann muss eben die Garderobe als Brücke dienen.
Augsburg zeigt sich hier mal wieder von seiner kreativsten Seite. Ein bisschen Tüll hat schließlich noch keinem Bebauungsplan geschadet. Ob die Stöckelschuhe auf dem historischen Kopfsteinpflaster allerdings für die nötige Standfestigkeit sorgen, bleibt abzuwarten.
P.S.: Es ist noch nicht geklärt, ob die neue Kulturreferentin Tatjana Dörfler dafür ab und zu in Männer Kleider erscheinen soll. Aus dem Umfeld des Sozialreferenten Schenkelberg ist zu hören, dass er am liebsten immer in Frauenkleidern im Stadtrat erscheinen würde, da er ja ein absoluter Faschings- und Verkleidungs-Fan ist.
Unser Bild zeigt zwei historische Augsburger Stadträte. Damals auch schon Männer in Frauenkleidung und Frauen in Männerkleidung, da Augsburg schon immer eine Stadt der Parität war.
