In der Schwabenmetropole Augsburg wird das Konzept der Schwammstadt völlig neu interpretiert. Während woanders Stadtplaner noch über Regenwasserrückhaltung philosophieren, hat Augsburg die Vision längst im Klassenzimmer realisiert. Hier ist die Schwammstadt kein bloßes Öko-Modell. Sie ist gelebte Realität.
Der klassische Schwamm an der Schultafel ist dabei das Symbol einer ganzen Ära. Er ist oft das einzige technologische Gerät in den Augsburger Bildungsstätten, das zuverlässig ohne WLAN funktioniert. Mit einer Hingabe, die man sich bei der Sanierung der maroden Schulgebäude wünschen würde, saugt er die Kreidereste der Vergangenheit auf. Er ist so alt, dass er vermutlich noch die Erstnotizen von Bert Brecht persönlich gespeichert hat.
Doch die wahre Saugkraft der Schwammstadt entfaltet sich in den sanitären Anlagen. In den Augsburger Schultoiletten wird das Prinzip der Flüssigkeitsaufnahme auf ein neues Level gehoben. Wenn es draußen regnet, saugen die Wände das Wasser so effizient auf, dass man sich das Händewaschen fast sparen kann.
Die Feuchtigkeit kriecht mit einer Präzision durch den Putz, die jeden Architekten vor Neid erblassen lässt. Man munkelt, die Stadtverwaltung nutze die maroden Decken bewusst als natürliche Rückhaltebecken, um das städtische Kanalnetz zu entlasten.
Es ist ein architektonisches Gesamtkunstwerk der Schwabenmetropole. Wo andere Städte teure Versickerungsflächen pflastern, setzt Augsburg auf den Charme des Verfalls.
Die Schultoilette wird zum Biotop. Ein Ort, an dem die Schwerkraft nur eine Empfehlung ist und das Wasser lieber in der Wand bleibt als im Spülkasten. Augsburg beweist Mut. Wer braucht schon dichte Dächer bei Schulen, wenn man eine ganze Stadt als Schwamm deklarieren kann?
