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| Augsburger vergoldete Luxus-Bibliothek im ehemaligen Wachhaus der Kaserne. |
In der Schwabenmetropole Augsburg hat man ein Händchen für echte Großprojekte, die Kultur und Geschichte vereinen. Das historische Wachhäuschen der ehemaligen Prinz-Karl-Kaserne an der Von-der-Tann-Straße wird glücklicherweise nicht einfach stehen gelassen, sondern in bester stadtplanerischer Manier um ein paar Meter versetzt.
Für schlanke 37.000 Euro, charmant aus einem Treuhandkonto gezaubert, wird das Relikt umgebaut. Fenster dicht mit Tafeln für Geschichtsunterricht, Bücherschrank in die Tür, fertig ist die literarische Oase des Viertels, rundum vergoldet. Vorbild ist der Goldene Saal im Augsburger Rathaus.
Man muss sich diese Prioritätensetzung auf der Zunge zergehen lassen. Während überall in der Stadt das Budget knapp ist und eine Haushaltssperre regiert, fließen Zehntausende Euro in die Verschiebung eines Miniaturgebäudes für gebrauchte Schmöker.
Wäre dieses Geld in der bisherigen Lese-Förderung an Schulen und Kitas nicht unvergleichlich besser aufgehoben gewesen? Schließlich bringt der schönste öffentliche Bücherschrank reichlich wenig, wenn der Nachwuchs vor lauter Sparmaßnahmen am Ende gar nicht mehr flüssig lesen lernt, um die dort abgestellten Wälzer überhaupt zu verstehen.
Vielleicht hätte es auch eine ganz schlichte Holzbank getan. Einfach eine Bank zum Ausruhen, auf der die Anwohner den Blick über die nagelneuen Luxuswohnungen schweifen lassen können. Dort könnte man in aller Ruhe darüber nachdenken, wie geschickt finanzielle Mittel in der Schwabenmetropole hin und her geschoben werden.
Aber gut, eine 37.000-Euro-Kasernen-Bibliothek hat halt zweifellos mehr Stil als eine einfache Sitzgelegenheit.
Symbol-Bild: AI und AL
